Bereits 1939 hatten die Nationalsozialisten den unbezahlten "Waschtag" mit Blick auf die dienstverpflichteten nichtjüdischen deutschen Frauen in der Kriegswirtschaft eingeführt. Seit 1947/48 wurde er auf Initiative der KPD in mehreren west- und ostdeutschen Ländern als bezahlter "Hausarbeitstag" und ohne rassistische Einschränkungen gesetzlich fortgeschrieben. Am Beispiel der sozialen und politischen Auseinandersetzungen um den "Hausarbeitstag" werden die divergenten gesellschaftlichen Vorstellungen über den Wert von Hausarbeit und Erwerbsarbeit und über eine gerechte soziale Plazierung von Männern und Frauen, die politischen Regulierungen der daraus resultierenden Konflikte und die alltäglichen Praktiken des Ausbalancierens von Lohnarbeit, Familie und Privatleben untersucht, die in ihrem je spezifischen Zusammenwirken die Ordnung der Geschlechterverhältnisse konstituierten und veränderten. Im Vergleich der beiden politischen Systeme in Deutschland nach 1945 werden einerseits die jeweiligen Besonderheiten in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Regulierungsversuchen präzisiert und andererseits die langfristig wirksamen Strukturen, Vorstellungen und Wertungen herausgearbeitet, die die Geschlechterverhältnisse der Moderne über die politischen Zäsuren hinaus kennzeichnen.
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