Project Details
Irokesen und Demokratie. Ein Beitrag zur Soziologie interkultureller Kommunikation
Applicant
Thomas Wagner
Subject Area
Sociological Theory
Term
from 2003 to 2004
Project identifier
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 5423483
Der in den 80er und 90er Jahren des 20. Jhs. als "Einflussdebatte"geführte Historikerstreit um den Anteil indigener Gesellschaftenan der Genese der US-Verfassung erfährt eine soziologischeNeubewertung. Fundamental dafür ist die Rekonstruktionder Austauschbeziehungen von indianischen Gesellschaftenund europäischen Kolonien im 17. und 18. Jahrhundert. Indianerdiplomatie,Handels- und Nachbarschaftsbeziehungen werden alssoziale Orte herausgearbeitet, in denen im gleichen Zeitraumeinerseits stereotype Indianerbilder geprägt wurden. Andererseitssetzten hier aber auch bislang zu wenig beachtete kulturelleSynthesen ein, in deren Rahmen gemeinsame Symbolbedeutungengeschaffen wurden und reale Erfahrungen mit indianischenPolitikformen in die Revolutionsdiskurse und in die Ursprüngeder modernen politischen Theorie Eingang fanden. Die hier geschaffenenIndianerbilder wurden in sozialen und politischenBewegungen in der Kolonialzeit und in den USA des 19. Jhs.aufgegriffen, prägten die Gründungsperiode der amerikanischenEthnologie und wurden in den "Einflussdebatte" des 20. Jhs. zumGegenstand eines erbittert geführten Historikerstreits. DieDebatte wird vor dem Hintergrund der konfliktreichen Entwicklungeines pluralen indianischen Ethnonationalismus im Rahmennordamerikanischer Identitätspolitik analysiert. Schließlichwerden Überlegungen vorgestellt, wie Elemente indigener Politikformenkonstruktiv in die politische Gegenwartsdiskussioneingebracht werden können.
DFG Programme
Publication Grants
