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Franz Xaver Messerschmidt - Menschenbild und Selbstwahrnehmung

Antragsteller Dr. Ulrich Pfarr
Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung von 2005 bis 2006
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5447222
 
Gegenstand der im Frankfurter Graduiertenkolleg "Psychische Energien bildender Kunst" entstandenen, kunsthistorischen Dissertation ist ein Bildhauer, der als Musterbeispiel für die Nähe von Kunst und Krankheit gilt. Im Leben und Werk Franz Xaver Messerschmidts (1736-1783) verdichten sich Phänomene des Zwielichts zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung. Seine Begegnungen mit dem Wunderarzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) und dem strikten Rationalisten Friedrich Nicolai (1733-1811) werden textkritisch analysiert. Den Schlüssel zur Rezeptionsgeschichte Messerschmidts bildet die Untersuchung der bizarren Mimik seiner "egyptischen Köpfe". Hierzu ist das "Facial Action Coding System" von Paul Ekman und Wallace Friesen, ein Instrument der klinischen Grundlagen-forschung, für künstlerische Gesichtsdarstellungen adaptiert worden. Die Auswertung der Codie-rungen war erst durch eine historische Integration der Emotionsforschung möglich, die von dem modularen Affektmodell des Psychoanalytikers Rainer Krause ausgeht. Bei Messerschmidt sind frappierend realistisch wirkende, im Sinne der Debatte Lavater - Lichtenberg physiognomisch und pathognomisch beschreibbare Gesichtspartien an Stilmodi gebunden, die innerhalb eines Werkes paradox kombiniert werden. Mit den empirischen Innervationsmustern der Affekte und kunsthi-storischen Ausdrucksformeln weisen die Büsten folglich nur partielle Übereinstimmungen auf. Die Deutung dieser Strategie im Kontext der Debatte um "L’expression des passions" und des Projekts bürgerlicher Privatheit läßt künstlerische und soziale Intentionen Messerschmidts erkennen.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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