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POMAJU – Gemeindepädagogische Bildungsansätze zur Gerechtigkeit und Umwelt auf Marajó
Antragsteller
Dr. Stefan van der Hoek
Fachliche Zuordnung
Evangelische Theologie
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 562908970
Umwelt und soziale Gerechtigkeit sind zentrale Themen des 21. Jahrhunderts, da sie die grundlegenden Lebensbedingungen und Rechte aller Menschen betreffen und untrennbar miteinander verbunden sind (Frank, 2013, S. 95). Angesichts des Klimawandels, der Umweltzerstörung, Kriegen und Pandemien sowie der damit einhergehenden Ressourcenknappheit verschärfen sich soziale Ungleichheiten weltweit. Obwohl die betroffenen Gruppen häufig am wenigsten zu den Ursachen beigetragen haben, bleiben ihre Perspektiven in Bezug auf Erklärungszusammenhänge und Hoffnungsperspektiven oft ungehört. Dies betrifft auch und in besonderer Weise die Perspektiven auf Gott, Theologie und Eschatologie, Themen also, die für die Identität einer religiösen Gemeinschaft eine besondere Wirkung haben. Das gemeindepädagogische Forschungsprojekt POMAJU untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Religion, Umwelt und sozialen Transformationen in einer geopolitisch bedeutsamen Region, die als das „Tor zu Amazonien“ beschrieben wird (Campos, 1997, S. 105; Oesselmann & Oesselmann, 2008, S. 125). Marajó ist die größte Flussinsel der Welt und aufgrund ihrer isolierten Lage und eingeschränkten Verkehrsmöglichkeiten sprichwörtlich vom Rest der Welt abgeschottet. Diese Abgeschiedenheit hat die kulturellen und religiösen Praktiken der Bevölkerung über Jahrhunderte geprägt. In dem geplanten Forschungsprojekt wird durch Feldforschung angestrebt, die religiöse Vielfalt vor Ort systematisch zu erfassen und Wechselwirkungen in Bezug auf die Wahrnehmung von Umwelt und sozialer Gerechtigkeit sichtbar zu machen. Durch praxeologische Ansätze, einschließlich Interviews, Beobachtungen und dokumentarischen Analysen, wird untersucht werden, wie die Gemeinden und Individuen auf Umweltveränderungen reagieren, diese deuten, soziale Praktiken anpassen und welche theologischen Diskurse aufgegriffen oder verworfen werden. Der Fokus liegt auf der Untersuchung der Gemeinden als Orte sozialer Gemeinschaft, Interaktion und religiöser Sozialisation in einem Kontext wachsender Umweltbedrohungen. Mit dem Projekt soll ein tieferes Verständnis für die religiöse Vielfalt und den pädagogischen Praktiken entwickelt und mit gemeindepädagogischen Ansätzen verbunden werden. Das Akronym „POMAJU“ steht für die Begriffe „Potyra“, „Mara“ und „Jupi“, wobei „Potyra“ in etwa „Blume“ bedeutet und symbolisch für Wachstum und Bildung, sowie für Umwelt verstanden werden kann. „Mara“ bedeutet Gemeinschaft und „Jupi“ steht für Licht oder Wissen. Diese Begriffe stammen aus der Sprache der Tupinamba und bedeuten zusammengenommen „Umwelt und Bildung zur Gerechtigkeit bzw. für die Gemeinschaft“.
DFG-Verfahren
WBP Stipendium
Internationaler Bezug
Brasilien
