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Materielle, soziale und semiotische Dimensionen der Entdeckung von Substanzen im Laufe der Geschichte der Chemie
Antragsteller
Dr. Guillermo Restrepo
Fachliche Zuordnung
Wissenschaftsgeschichte
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 563068070
Das Projekt untersucht die historische Entwicklung des chemischen Wissens durch die Perspektive des chemischen Raums, definiert als die Gesamtheit aller dokumentierten Chemikalien und ihrer Reaktionen. Diese Untersuchung wird durch drei miteinander verbundene Dimensionen der chemischen Praxis gerahmt: die materielle, soziale und semiotische Dimension. Die materielle Dimension umfasst chemische Substanzen, ihre Eigenschaften, Reaktionen und zugehörige Technologien. Die soziale Dimension betrachtet Netzwerke von Chemikern, Institutionen und den politisch-ökonomischen Kontext, in dem Chemie betrieben wird. Die semiotische Dimension umfasst theoretische Rahmenwerke, Sprache und Kommunikationsnormen der chemischen Gemeinschaft. Mit einem Fokus auf den Zeitraum von 1800 bis 2023 zielt diese Forschung darauf ab zu verstehen, wie das Zusammenspiel dieser Dimensionen die Ausweitung des chemischen Raums vorangetrieben hat. Zentrale Fragestellungen umfassen die Auswirkungen politischer Systeme, wirtschaftlicher Krisen und globaler Konflikte auf die Entdeckung von Substanzen, ihre Eigenschaften und Herstellungsverfahren. Die Analyse soll zudem historische Unterschiede zwischen industriellen und akademischen Beiträgen zur chemischen Innovation aufdecken. Die Studie nutzt umfangreiche Datensätze aus Reaxys, ergänzt durch bibliografische Datenbanken wie Scopus und OpenAlex sowie historiografische Quellen. Diese Kombination ermöglicht eine „distant reading“ historischer Muster, indem die Vielfalt der Substanzen auf der Ebene der Zusammensetzung und der molekularen Struktur miteinander verglichen wird. Durch die Untersuchung der sozio-politischen und wirtschaftlichen Kontexte, in denen sich die Chemie entwickelt hat, strebt das Projekt an, aufzuzeigen, wie externe Kräfte das chemische Wissen und dessen Verbreitung beeinflussen. Dies soll zu einem tieferen Verständnis der Chemiegeschichte und ihrer Rolle in der wissenschaftlichen Entwicklung beitragen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
