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Assoziationen und Dissoziationen von Dyslexie und Dyskalkulie: Kognitive Mechanismen der Komorbidität von Lernstörungen (COLECA)
Antragstellerin
Privatdozentin Dr. Kristina Moll
Fachliche Zuordnung
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 563383221
Lesen, Rechtschreiben und Rechnen sind Kernkompetenzen des schulischen Erfolgs, und Lernstörungen in der Schriftsprache (Dyslexie) und im Rechnen (Dyskalkulie) haben massive negative Auswirkungen auf berufliche Perspektiven und psychosoziales Wohlbefinden. Dyslexie und Dyskalkulie treten häufig gemeinsam auf, aber die kognitiven Mechanismen, die dieser Komorbidität zugrunde liegen, sind bislang kaum bekannt. Theoretische Modelle müssen sowohl die hohen Komorbiditätsraten erklären, als auch warum Dyslexie und Dyskalkulie unabhängig voneinander auftreten können. Ziel ist die Weiterentwicklung von Multi-Defizit-Modellen zur Erklärung von Assoziationen und Dissoziationen von Lernstörungen. Untersucht wird insbesondere das komplexe Zusammenspiel kognitiver Prädiktoren, die spezifisch für eine Domäne sind (Dyslexie: phonologische Verarbeitung; Dyskalkulie: numerische Verarbeitung) mit domänenübergreifenden Prädiktoren für Schulleistungen (Sprache, Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit). Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung des Lernens und des Abrufs orthografischer und arithmetischer Fakten, welche mögliche gemeinsame Mechanismen der beiden Störungen darstellen. Anhand einer großen, repräsentativen Stichprobe von ca. 3200 Grundschulkindern werden direkte und indirekte Effekte von domänenspezifischen und domänenübergreifenden Prädiktoren des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens untersucht, mit einem besonderen Fokus auf Prädiktoren der Kovarianz. Zudem werden vier sorgfältig ausgewählte Gruppen von Kindern mit isolierten Störungen im Lesen/Rechtschreiben bzw. Rechnen, komorbiden Störungen und typischer Entwicklung verglichen, um Unterschiede in den kognitiven Profilen zu identifizieren. Mittels neu entwickelter experimenteller Paradigmen sollen Fähigkeiten im Lernen und im Abruf von Fakten in den spezifischen Gruppen erfasst werden. Darüber hinaus wird die langfristige (18-monatige) Stabilität der Gruppen untersucht. Dieses Projekt integriert explizit und innovativ Forschung aus den Bereichen Dyslexie und Dyskalkulie, welche bislang meist separat untersucht wurden. Dimensionale Analysen einer repräsentativen Stichprobe werden kombiniert mit Analysen von spezifischen Gruppen mit isolierten und komorbiden Lernstörungen. Die Zusammenarbeit zweier Forschungsstandorte (München und Graz) ermöglicht die Rekrutierung einer einzigartigen Stichprobe von Kindern mit typischer und atypischer Entwicklung im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen und die detaillierte Untersuchung der kognitiven Profile und Mechanismen. Die Ergebnisse des Projektes tragen zu einem besseren Verständnis der Heterogenität von Lernstörungen bei und bieten die Grundlage für die Entwicklung spezifischer Interventionen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Österreich
Partnerorganisation
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Mitverantwortlich
Professor Dr. Gerd Schulte-Körne
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professorin Dr. Karin Landerl; Professor Dr. Stephan Vogel
