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Klimawandel in Zeiten von Wohnungsknappheit und steigenden Preisen: „Low-Carbon“ Gentrifizierung und soziale Wohnraumgerechtigkeit
Antragstellerin
Professorin Dr. Bing Zhu
Fachliche Zuordnung
Empirische Sozialforschung
Städtebau/Stadtentwicklung, Raumplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Landschaftsplanung
Städtebau/Stadtentwicklung, Raumplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Landschaftsplanung
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566194169
Während sich die Klimakrise verschärft, fördern Stadtplaner die nachhaltige Stadtentwicklung. Diese Vorhaben können jedoch der Immobilien-Spekulation Vorschub leisten, die Wohnkosten steigern und Communities verdrängen - ein Phänomen, das als ökologische Gentrifizierung bekannt ist. Bisher haben sich die meisten Forschungsarbeiten zur ökologischen Gentrifizierung auf die Begrünung konzentriert, während die umfassenderen Auswirkungen städtischer Klimaschutzinitiativen noch wenig erforscht sind. Dieses Projekt widmet sich dieser Forschungslücke, indem es die Gentrifizierung unter dem Aspekt einer kohlenstoffarmen Lebensweise untersucht. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass Bewohner der mittleren und oberen Einkommensschichten Stadtteile bevorzugen, die gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind, gute öffentlichen Nahverkehroptionen bieten, eine Mischnutzung zulassen und energieeffiziente Systeme aufweisen. Dieses Projekt bewertet die ökologische Gerechtigkeit, indem es die räumlichen Ungleichheiten von emissionsarmen Stadtvierteln zwischensozioökonomischen Gruppen und die damit verbundenen Gentrifizierungseffekte analysiert. Um dies zu erreichen: • WP1 konstruiert Indizes, die auf drei Dimensionen basieren - Mobilität (Erreichbarkeit), Kohlenstoffemissionen von Gebäuden („operativer Kohlenstoff“) und natürliche Kohlenstoffsenken (Grünflächen) -, um die Verteilung von kohlenstoffarmen Stadtvierteln in 1 km²-Rastern in Deutschland zu visualisieren. Anschließend wird ihre Kapitalisierung auf dem Immobilienmarkt quantifiziert, die Erschwinglichkeit bewertet und die Ungleichheiten beim Zugang mit dem D-Index gemessen. • WP2 untersucht die durch kohlenstoffarme Maßnahmen ausgelöste Gentrifizierung. Unter Verwendung von Methoden wie gestaffelte Differenz-in-Differenzen, Propensity-Score-Matching, Instrumentalvariablenregression und Dreifachdifferenzanalyse werden Kapitalreinvestitionen in die energieeffiziente Gebäudeentwicklung und -sanierung untersucht, die durch die KfW-Programme „Klimafreundliche Wohnimmobilien“ und „Energieeffiziente Modernisierung“ gefördert wurden. Außerdem werden soziale Aufwertung durch die Analyse demografischer Änderungen in Folge dieser Entwicklungen bewertet. • WP3 untersucht, ob die Wohnungspolitik zugunsten erschwinglichen Wohnraums - einschließlich sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) und der Mietpreisbremse - die Ungleichheit in kohlenstoffarmen Stadtvierteln und die durch Initiativen zu CO2-Reduktion angetriebene Gentrifizierung verringert oder verschärft. Wenn die emissionsarme Gentrifizierung den Zugang zu umweltfreundlichen Städten in erster Linie auf wohlhabendere Einwohner beschränkt, müssen sich politische Entscheidungsträger und Stadtplaner mit den unbeabsichtigten sozialen und ökologischen Folgen auseinandersetzen. Die Untersuchung dieses Phänomens liefert wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung integrativerer und nachhaltigerer Stadtentwicklungsstrategien.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
