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Patronage und Macht im vormodernen Mittelmeerraum: Monumentale Inschriften auf dem Berg Athos (10.-17. Jahrhundert)
Antragsteller
Dr. Nicholas Melvani
Fachliche Zuordnung
Alte Geschichte
Frühneuzeitliche Geschichte
Mittelalterliche Geschichte
Frühneuzeitliche Geschichte
Mittelalterliche Geschichte
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 566598059
Die Klostergemeinschaft von Athos ist eines der wichtigsten religiösen Zentren Südosteuropas; die in ihren Gebäuden erhaltenen Inschriften sind öffentliche Bekundungen politischer Autorität und frommer Schirmherrschaft. Ihre Auftraggeber waren in der gesamten byzantinischen Welt tätig und ihr Lesepublikum kam aus der gesamten christlichen Welt. Einigen dieser Texte wurden durch Porträt hinzugefügt, was Einblicke in die Selbstdarstellungsstrategien der Auftraggeber gewährt. Darüber hinaus weisen die Inschriften von Athos Anzeichen von Mündlichkeit auf. Die inschriftlichen Anrufungen und Gedenkfeiern spiegeln tatsächliche Gebete und Reden wider, die in Anwesenheit von Stiftern, Mönchen und Pilgern vorgetragen wurden. Durch die Untersuchung und das genauere Verständnis der Texte wird das Projekt versuchen, Antworten auf die folgenden Fragen zu geben: Welche Art von Botschaften wurden durch die Epigraphie verbreitet? Wer hat die Inschriften in Auftrag gegeben und ausgeführt? Wer waren die Adressaten? Das Projekt will auch das häufig missverstandene Konzept des Mäzenatentums klären: Wer waren die Stifter und Wohltäter und was erfahren wir über ihre Beweggründe? Verrät die Tatsache, dass sie als Laien diesem spirituellen Zentrum Schenkungen zukommen ließen, etwas über die Bedeutung dieser Personen in der Welt? Das Projekt wird: a. ein digitales Korpus athonitischer Inschriften zusammenstellen; b. die Texte analysieren; und c. das Thema im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mittelmeerraum erhellen. Die Forschung wird in drei Arbeitspakete strukturiert sein: 1. die Sammlung von Material während der Reisen nach Athos und die digitale Edition der Inschriften; 2. die Kontextualisierung der Inschriften in ihrem physischen Raum und im historischen Rahmen und 3. die Diskussion des Phänomens von Patronage während eines Workshops und einer Tagung. Der digitale Korpus wird im Open-Access-Verfahren veröffentlicht und die Tagungsberichte werden in einem Sammelband herausgegeben. Das vorgeschlagene Projekt wird umfassende epigraphische Daten generieren, die die Entwicklung in aufeinanderfolgenden historischen Perioden (10. bis 17. Jahrhundert) abbilden. Diese Belege ermöglichen eine differenzierte Interpretation der Funktion öffentlich sichtbarer Texte innerhalb einer sakralen Landschaft. Dadurch werden umfassendere Netzwerke von wirtschaftlichen Interessen, Kirchenführung, intellektuellem Austausch und Patronage auf Athos sichtbar. Durch die Zusammenführung des Fachwissens der beiden PIs auf dem Gebiet der byzantinischen Epigraphik und ihrer multidisziplinären Methodik, die Geschichte, Kunstgeschichte und Literatur miteinander verbindet, wird das Projekt die Inschriften auf dem Athos als öffentliche Texte untersuchen, die den Kontakt zwischen Stiftern und Wohltätern und dem Publikum herstellen. Die Ergebnisse der vorgeschlagenen Forschung würden somit neue Einblicke in die für andere religiöse Zentren relevanten Fragen aus einer globalen Perspektive bieten.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Großbritannien
Partnerorganisation
Arts and Humanities Research Council
Kooperationspartnerin
Ida Toth, Ph.D.
