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ARIMAS - Aride Umwelten und die Anpassungsstrategien moderner Menschen

Antragsteller Dr. Matthias Blessing
Fachliche Zuordnung Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 567427630
 
Obwohl auch manche Vorfahren des Homo sapiens in verschiedenen Umweltbedingungen überlebten, ist ein wesentliches Merkmal moderner Menschen die Fähigkeit sich schnell an sehr unterschiedliche ökologische Rahmenbedingungen anzupassen, was vermutlich einen wesentlichen Teil des evolutionären Erfolgs unserer Spezies ausmacht. Der derzeitige Forschungsstand deutet darauf hin, dass diese Anpassungsfähigkeit weniger in genetischer Plastizität, sondern vielmehr in der Plastizität des menschlichen Verhaltens begründet ist. Dies umfasst vor allem die Fähigkeit zur Bildung von sozialen Netzwerken außerhalb der unmittelbaren Verwandtschaft und Gruppe und den daraus begründeten effizienteren Austausch von Informationen. Da die Fähigkeit, sich auch an extreme Umweltbedingungen schnell anzupassen, bereits bei der 'Out-of-Africa'-Expansion des Homo sapiens Menschen klar ersichtlich ist, liegt es nahe, dass sich die entsprechenden kognitiven und sozialen Voraussetzungen in Afrika entwickelt haben. Archäologische Spuren aus Gebieten mit extremem Klima in Afrika bieten daher ideale Vorraussetzungen, um die Entwicklung dieser Voraussetzungen zu erforschen. Auch für spätere menschliche Expansionen wie beispielsweise die Verbreitung der Tierhaltung, bieten extreme Umweltbedingungen großes Potential zur Erforschung menschlicher Anpassungsstrategien mittels Informationsaustausch und Technologietransfer. Das südliche Namibia ist ein extrem arides Gebiet, in dem Fallstudien zu den Anpassungstrategien moderner Menschen neue Erkenntnisse zur Anpassungsfähigkeit des Menschen und damit unseres evolutionären Erfolgs erbringen können. Ältere Forschungsprojekte erlauben einige Einblicke insbesondere in das spätpleistozäne Middle Stone Age der Region, allerdings fußen Interpretationen maßgeblich auf nur einer Fundstelle: Apollo 11. Die holozänen Inventaren dieser wichtigen Fundstelle harren indes immer noch einer Aufarbeitung. Das hier beantragte Projekt umfasst die Ausgrabung eines 2024 im Rahmen einer Prospektion neu entdeckten Abris (Perseverance Shelter) sowie das systematische sampling von Oberflächenfundstellen im südlichen Namibia auf der Farm Arimas. Die Ausgrabung einer neuen Fundstelle erlaubt eine neue Kontextualisierung der Altfunde von Apollo 11 sowie die erste Konstruktion einer holozänen Kulturstratigraphie in der gesamten Region. Neben der Analyse archäologischer Inventare ist das Erheben von geomorphologischen Daten sowie der Rekonstruktion der Paläoumwelt ein zentrales Anliegen des ARIMAS-Projekts, um die archäologischen Inventare besser kontextualiseren zu können. Die Ergebnisse dieser Forschung in einer Region mit extrem trockenem Klima sind von großer überregionaler Bedeutung in der Erfoschung von Strategien, die modernen Menschen das Überleben unter extremen ökologischen Bedingungen ermöglichte. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Erfoschung der Frage was uns als Spezies ausmacht.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
 
 

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