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Spätzeit des Meistergesangs. Kontinuität und Wandel einer Gattungstradition unter literatursoziologischer Perspektive
Antragstellerin
Dr. Eva Rothenberger
Fachliche Zuordnung
Germanistische Mediävistik (Ältere deutsche Literatur)
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568749984
Obwohl in den letzten Jahren der Meistergesang vermehrt in den Fokus der Forschung gerückt ist, wurden die vielfältigen formalen und inhaltlichen Umbruchsphänomene der Gattung – zum einen um 1520, zum anderen im Laufe des 17. Jahrhunderts – hinsichtlich ihrer performativen, literatursoziologischen und rezeptionsästhetischen Auswirkungen noch nicht hinreichend systematisch aufgearbeitet. Dieser Aufgabe möchte sich das Netzwerk unter interdisziplinärer Perspektive stellen. Im Zentrum steht ein kulturwissenschaftlicher Ansatz, der die Gattung in die Performanzkultur der spätmittelalterlichen Stadt an der Schwelle zur Neuzeit einordnet: ‚Stadt‘ ist hierbei als ein zentraler literatursoziologischer Mikrokosmos aufzufassen, in dessen Koordinaten Stadtpolitik, Gesellschaftsstruktur und Frömmigkeitstheologie sich der Meistergesang je spezifisch einfügt. Es ist zu erwarten, dass der Fokus auf den urbanen Raum, in welchem die Gattung verankert ist, die Funktion der meisterlichen Liedkunst für den Umbruch von Mittelalter und Früher Neuzeit umfangreicher und exakter als bislang herauszustellen vermag – zentral sind hierbei etwa die Literarisierung der Laien aus den unterschiedlichen städtischen Gesellschaftsschichten, die Verortung des Meisterliedes in der städtischen Performanzkultur über die Gattungsgrenzen hinaus sowie die Berührungspunkte und Abgrenzungsmomente von anderen innerhalb der Stadt agierenden und organisierten Sozietäten (z. B. die Rederijkers oder die Puy in Rouen) und Ausdrucksformen städtischen Lebens (z. B. Prozessionen, geistliche Spiele). Eine kulturwissenschaftliche Perspektive, die das Meisterlied über einen gattungsinhärenten Ansatz hinaus zusätzlich in den religionspolitischen Umbruch um 1500 einordnet, lässt auch ein tieferes Verständnis der Schwelle zur Frühen Neuzeit an sich erwarten. Darüber hinaus soll die Perspektive auf die Rezeption der Gattung bis zum frühen 19. Jahrhundert erweitert werden, um die Geschichte der Gattung vollumfänglich zu erfassen und die breite Forschung zum Sangspruch zu komplementieren. Am Ende des Projekts sollen die Untersuchungsergebnisse der Arbeitsgruppe in einem Sammelband veröffentlicht werden.
DFG-Verfahren
Wissenschaftliche Netzwerke
Mitverantwortlich(e)
Dr. Judith Lange
