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Künstlerische Praxis, Sammeln und Kompilieren als Konstellationen des Selbst: Transkulturelle Austauschprozesse in globaler Perspektive (18.–21. Jahrhundert) (TP 3)
Antragstellerin
Professorin Dr. Eva-Maria Troelenberg
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 539990504
Wenn ein Individuum eine Sammlung zusammenstellt, so die Arbeitshypothese, formt sich seine Persona und seine Weltsicht, insbesondere wenn die kulturellen Bezugspunkte der Sammlung und des Sammelnden unterschiedlich sind. Die prozessorientierte Theorie der Transkulturation bildet den methodologischen Rahmen des Projekts. Als Ausgangspunkt werden anhand einer Fallstudie Bildkompendien mit hinduistischer Thematik aus dem 18. Jahrhundert für koloniale Auftraggeber:innen untersucht. Auf diese Weise erfolgt eine Neubetrachtung des Formats 'Autoethnographie' als Ergebnis eines wechselseitigen transkulturellen Aushandlungsprozesses. Dies erlaubt es, Möglichkeitsräume der Selbstmodellierungen von frühen Orientalisten und einheimischen Akteur:innen auszuloten, ohne dabei die Asymmetrien kolonialer Machtverhältnisse zu ignorieren. Davon ausgehend werden in einer zweiten Schwerpunktebene unterschiedliche semantische (Neu)-Kodierungen bereits vorhandener südasiatischer - aber aus dem kultischen Kontext entfernter - Götterbilder in Sammlungskonstellationen von ca. 1800 bis in die Gegenwart im Hinblick auf transkulturelle 'Technologien',des Selbst' untersucht. Es geht also nicht um die Fortschreibung von Objektbiographien, die im weitesten Sinne für 'Provenienz' in institutionellen, nationalen und kolonialistischen Kontexten stehen, sondern um die Frage, wie sich das Selbst innerhalb transkultureller Konstellationen an Objekten formen kann. In einer weiteren Schwerpunktebene befasst sich das Projekt mit Formen transkultureller Kompilationen - von Wohnraumausstattungen bis hin zu Museumssammlungen -, die seit der Kolonialzeit und bis in die Gegenwart aus individuellen (auto-)biographischen Konstellationen und Narrationen hervorgegangen sind. Aus diesen (post-)kolonialen Untersuchungen sollen neue Ansätze und Konzepte zum Verhältnis von Persona und Objekt entwickelt werden. Der Beitrag, den das Projekt zum Vorhaben der Forschungsgruppe leisten kann, besteht darin, eurozentrischen Entwicklungsmodellen des Machbarkeitsdiskurses - Erbe der idealistischen Subjektphilosophie der Aufklärung - Denkmodelle individueller und kollektiver relationaler Selbst-Entwürfe im Kontext einer multipel und polyzentrisch gedachten Geschichtsauffassung entgegenzusetzen.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
