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Die leidende versklavte Frau: eine Untersuchung von Abolitionismus und Feminismus im sentimentalen abolitionistischen Theater Spaniens (1797–1891)
Antragstellerin
Dr. Ana Mateos
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569967293
Mein Projekt beinhaltet die erste umfassende Untersuchung einer weitgehend vergessenen Tradition der spanischen abolitionistischen Literatur, die sich – im Gegensatz zu den überwiegend erzählerischen und poetischen Werken mancher anderer abolitionistischen Traditionen – durch ihre Bevorzugung der dramatischen Form sowie vor allem durch ihren anhaltenden Fokus auf die Figur der versklavten Frau afrikanischer Abstammung auszeichnet. Darüber hinaus und anders als die weitaus besser erforschten spanischen Texte politischen und wirtschaftlichen Inhalts weist diese dramatische Tradition im Kern des spanischen Abolitionismus einen vorwiegend humanitären Ansatz auf, der, wie ich argumentieren möchte, auf Diskurse über Menschenrechte im 18. Jahrhundert zurückgreift und sich insbesondere für Körperrechte der Frau einsetzt. Wie haben spanische Dramatiker als Erben und Erneuerer früherer sentimental-abolitionistischer Traditionen sentimentale Strategien aus dem 18. Jahrhundert an den historisch und gesellschaftspolitisch einzigartigen Kontext des späten kaiserzeitlichen Spaniens angepasst? Zentral für mein Projekt ist eine weitere Frage: Wie zeigen und beeinflussen diese Stücke die Spannung zwischen der Schaffung emotionaler Identifikation einerseits und andererseits dem Gebot, benachteiligende, auf angeblich körperlichen Unterschieden gegründete Diskurse zu erkennen, zu überwinden und zu untergraben, sowie die Misere – insbesondere durch sexuelle Gewalt – versklavter Frauen darzustellen. Angesichts der Tatsache, dass der auf das Leid versklavter Frauen gerichtete Fokus dieser Werke es ihnen ermöglichte, sich an dem aufkeimenden Feminismus Spaniens zu beteiligen, wird die Untersuchung dieser Spannung auch ihre Beziehung zur Frage der Intersektionalität und des instabilen Zusammenspiels zwischen feministischen und abolitionistischen Agenden im Rahmen einer sich ständig verändernde Rhetorik der Sentimentalität miteinbeziehen. Neben der erzähltheoretischen Analyse der Stücke ist hier die Untersuchung ihres performativen Aspekts von besonderem Belang: Wie hat das Erfordernis, vermeintliche ethnische Unterschiede und gewaltiges Leid auf der Bühne darzustellen, ihre sentimentalen Strategien erschwert? Eine fundierte Analyse erfordert außerdem einen komparatistischen Ansatz, weshalb ich Forschung über anglo-amerikanische (Vereinigte Staaten und Großbritannien), deutsche und kubanische abolitionistische Literaturtraditionen heranziehen werde, in welcher einige der erwähnten Hauptthemen bereits umfassender ausgeführt wurden.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Kooperationspartnerin
Professorin Dr. Juliane Prade-Weiss
