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Bedeutung kollektiver Wissensbestände von Hausärzt:innen in Ost-und Westdeutschland beim Wandel im ambulanten Gesundheitssystem

Antragstellerin Dr. Hariet Kirschner
Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 570886227
 
Das ambulante Gesundheitssystem befindet sich aktuell in einem Wandel, in den Hausärzt:innen als Angehörige medizinischer Berufsgruppen maßgeblich involviert sind. Dieser findet auf struktureller, funktioneller, aber auch rollen- und identitätsspezifischer Ebene statt. Strukturell gibt es Veränderungen aufgrund zunehmender Verknappung von Fachkräften als Folge demografischer Veränderungen sowie generationseffektbedingter Präferenzverschiebungen. Ebenfalls verändern sich Erfordernisse bzgl. der Wahrnehmung der professionellen Rolle, der Erfüllung der Anforderungen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und der Anpassungen an die Folgen des Klimawandels. Auch haben ökonomische und politische Zwänge Auswirkungen auf administrative und bürokratische Prozesse sowie auf die medizinische Versorgung. Die notwendigen Anpassungsleistungen der Hausärzt:innen sind auf Handlungs- und Einstellungsebene relevant und hängen wesentlich von den aktuell vorhandenen Wissensbeständen und Überzeugungsmustern dieser ab. Wissensbestände sind wiederum stark vom persönlichen Lebensweg geprägt, insbesondere von Erfahrungen aus der bisherigen Berufslaufbahn. Durch die deutsch-deutsche Teilung von 1949 bis 1989 und die unterschiedlichen Strukturen der Gesundheitssysteme in DDR und BRD haben ost- und westdeutsche Hausärzt:innen verschiedene Erfahrungshintergründe. Ostdeutsche Hausärzt:innen verfügen zudem über die Erfahrung der politischen Transformation im ambulanten Gesundheitssektor um 1989. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens, das bisher nicht erforschte Feld aktuell bestehender kollektiver Wissensbestände und damit zusammenhängend die professionelle Identität praktizierender Hausärzt:innen im deutschen Gesundheitssystem zu erheben und hinsichtlich ihrer Implikationen auf die aktuell stattfindende Transformationsprozesse im Gesundheitswesen zu untersuchen. Zur Erhebung der kollektiven Wissensbestände wird daher eine vergleichende Analyse heterogener Gruppen anhand eines qualitativen Forschungsdesigns herangezogen. Innerhalb von drei Arbeitspaketen werden narrativ-biografische Interviews mit drei Geburtskohorten von Hausärzt:innen in drei ost- und zwei westdeutschen Bundesländern erhoben. Kontrastiert werden die Fälle zudem nach strukturstarken vs. strukturschwachen Gebieten, Geschlecht, Region und zentralen aus dem Analyseprozess sich ergebenden Kategorien. Dabei werden in der Erhebung drei Vergleichsgruppen (ostdeutsche, westdeutsche und binnengewanderte Hausärzt:innen) unterschieden. In einem vierten Arbeitspaket werden gebietsspezifische ökonomische, sozialrechtliche sowie gesellschaftspolitische Faktoren erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Arbeitspakete stellen eine zentrale Grundlage für eine zukünftige, auf Verständnis basierende Bewältigung von Herausforderungen im ambulanten Gesundheitssystem dar. Diese werden in einem fünften Arbeitspaket mit Akteur:innen des ambulanten Gesundheitssystems diskutiert.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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