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Sowjetische inoffizielle Kultur in der Perestroika (1986-1991): Pragmatik und Ästhetik

Antragsteller Dmitrii Bresler, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 571764954
 
Während die bisherige Forschung zum sowjetischen Untergrund vor allem auf die Perioden des sogenannten „Tauwetters“ (1956–1964) und der sogenannten „Stagnation“ (1964–1985) fokussiert war, widmet sich dieses Projekt spezifisch dem sowjetischen literarischen Untergrund der Perestroika-Ära. Im Gegensatz zur vorherrschenden Richtung der Perestroika-Forschung, die häufig die Kontinuität mit der früheren sowjetischen Kultur und Politik in Frage stellt oder den Bruch mit diesen betont, verfolgt dieses Vorhaben einen Ansatz, der die Kontinuität der kulturellen Entwicklung in den Mittelpunkt stellt. Es geht davon aus, dass die in der bisherigen Forschung vernachlässigte Entwicklung des Undergrounds während der Perestroika (1985–1991) von besonderer Relevanz ist, da diese Periode aufgrund der politischen Liberalisierung einerseits optimale Bedingungen für die Entwicklung einer eigenen ästhetischen Praxis und die Reflexion poetischer Prinzipien bot, während sie andererseits die Distanz zu den dominanten, offiziellen Strömungen bewahrte und bewusst eine soziokulturelle Randposition einnahm. Diese Aspekte wurden bislang kaum in der Forschung berücksichtigt; die bedeutendsten und originellsten literarischen Projekte dieser Zeit sind bislang weder ausreichend beschrieben noch allgemein bekannt. Im Unterschied zu früheren Berichten, die den sowjetischen Untergrund meist auf den kulturellen Widerstand innerhalb geschlossener Gemeinschaften reduzieren, verfolgt diese Studie den Ansatz, die Poetik des Nonkonformismus und des Samisdat im Kontext der Perestroika nicht nur anhand einer kritischen oder negativen Pragmatik gegenüber sowjetischen kulturellen und intellektuellen Institutionen zu erfassen. Vielmehr soll auch zur Identifizierung der allgemeinen kulturellen, phänomenologischen und epistemologischen Grundlagen beigetragen werden, die außerhalb des sowjetischen Alltagslebens sowie außerhalb der Konventionen des sozialistischen Realismus ihre Relevanz behalten. Ziel ist es, die kulturellen Praktiken und ästhetischen Strategien dieser Periode in ihrer Komplexität zu erfassen und ihre Bedeutung für die Entwicklung einer eigenständigen, inoffiziellen Kultur zu verdeutlichen. Damit soll ein Beitrag zur Erweiterung des Verständnisses des sowjetischen Untergrunds im Kontext gesellschaftlicher, kultureller und literarischer Transformationen geleistet und eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Diskursen über Widerstand, Innovation und kulturelle Autonomie geschlagen werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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