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Urteile Dritter über die Ablehnung von Entschuldigungen in Intergruppenkonflikten

Antragstellerin Dr. Fiona Kazarovytska
Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572025516
 
Öffentliche Entschuldigungen für kollektive Verbrechen sind zu einem festen Bestandteil internationaler Politik geworden. Während bisherige Forschung vor allem die Auswirkungen von Entschuldigungshandlungen durch Tätergruppen untersucht hat, richtet sich das öffentliche Interesse zunehmend auf die Reaktion der Opfer. Ob die Opfergruppe eine Entschuldigung annimmt oder ablehnt, ist dabei nicht nur relevant für die Opfer-Täter Beziehung, sondern die Stimme der Opfer gewinnt auch in der politischen Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit immer mehr an Bedeutung. Das vorliegende Projekt geht über dyadische Opfer-Täter Beziehungen hinaus, indem es untersucht, wie Mitglieder unbeteiligter Drittstaaten Entschuldigungsinteraktionen wahrnehmen. Obwohl sie nicht direkt in den Konflikt involviert sind, haben Drittstaaten häufig einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf von Konflikten sowie auf die politische Stellung der beteiligten Parteien nach dem Konflikt. In umfangreichen eigenen Vorarbeiten konnten wir nun zeigen, dass unbeteiligte Dritte Opfergruppen für weniger moralisch halten, wenn diese eine Entschuldigung ablehnen, anstatt sie anzunehmen. Dieser ‚victim group morality effect‘ zeigte sich robust über verschiedene Verbrechen, unterschiedliche Zeitabstände zwischen Tat und Entschuldigung und sowohl für überzeugende als auch weniger überzeugende Entschuldigungen. Das vorliegende Projekt baut auf diesen Ergebnissen auf, um neue Einblicke in die Perspektive von Dritten auf Entschuldigungsreaktionen zu gewinnen. Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele: (1) systematisch zu erklären, warum Opfergruppen als weniger moralisch bewertet werden, wenn sie Entschuldigungen ablehnen; (2) zu prüfen, inwieweit diese Bewertung zwischen verschiedenen Ländern variiert; und (3) die sozialen Kosten für die Opfergruppen zu untersuchen, die mit solchen Bewertungen verbunden sind. Diese Ziele werden in drei komplementären Arbeitspaketen adressiert. Die ersten zwei Pakete untersuchen zwei mögliche Mechanismen, die dem Effekt zugrunde liegen könnten. Methodisch kommen dabei verschiedene experimentelle Designs zum Einsatz, die sowohl fiktiven Szenarien als auch reale Konfliktsituationen und ökonomische Spiele nutzen (AP1-2). Basierend auf den Überlegungen zu den möglichen Mechanismen haben wir überzeugende Gründe anzunehmen, dass der Effekt kontextabhängig variiert. Ein drittes Arbeitspaket testet daher den ‚victim group morality effect‘ in 12 Ländern mit unterschiedlichen historischen Repräsentationen und Ansätzen zur Konfliktbewältigung (AP3). Alle Pakete untersuchen zudem die sozialen Kosten der Ablehnung einer Entschuldigung für die Opfergruppe mithilfe von Skalen und verhaltensbasierten Entscheidungsmessungen (AP1-3). Die Ergebnisse versprechen nicht nur Implikationen für das Verständnis von gruppenbezogenen Entschuldigungen und sozialen Bewertungsprozessen, sondern auch für die Bereiche der Moralpsychologie und die Rolle von Drittparteien in internationalen Konflikten.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Belgien, Großbritannien, Indien, Israel, Polen
 
 

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