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Rätsel, Ironie, Gemeinschaft. Paradigmen der Aufklärung in der italienischen Lyrik des 18. Jahrhunderts
Antragsteller
Marc Schäfer
Fachliche Zuordnung
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572144986
Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der Frage, welche Rolle die Lyrik des 18. Jahrhunderts für die Bewegung der italienischen Aufklärung und die Entwicklung eines Programms der Literatur der Aufklärung spielt. Damit reagiert es auf ein klares Desiderat und tritt einer verbreiteten Ansicht entgegen, derzufolge die im Settecento entstandenen Texte als vernachlässigbar und als weder stilistisch noch inhaltlich innovativ gelten. Eine der zentralen Thesen ist, dass ganz im Gegenteil zu diesem populären Vorurteil insbesondere die italienische Lyrik komplexe, Poetologie und Aufklärungsprogrammatik verbindende Debatten verhandelt, da sie etwa auf einer tiefen lyriktheoretischen Reflexion in der frühneuzeitlichen italienischen Literatur aufbaut, die die Beantwortung der Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Aufklärung im Italien der beginnenden Moderne maßgeblich beeinflusst. Dabei soll einerseits unter den Gesichtspunkten der ironischen Sprechweise und des Rätsels als Denkfigur untersucht werden, wie Erkenntnis und neues Wissen in Gedichten vermittelt und wie darüber hinaus neue Formen und Wege einer spezifisch lyrischen Erkenntnis durch die Texte geschaffen werden. Andererseits wird ein Fokus auf der Frage liegen, wie sich durch die Lyrik Prozesse steuern lassen, die zur Ausbildung und Formung von Gemeinschaften führen sollen. In diesem Kontext spielen sowohl sozialgeschichtliche als auch formgeschichtliche Fragestellungen eine Rolle. Für die Frage nach den Gemeinschaften sollen Prozesse der literarischen Akademiebildung im Settecento untersucht werden, die zur Ausbildung eines spezifisch lyrischen Feldes führen. Fragen der Verrätselung und Ironisierung rücken schon dadurch in den Blick, dass sie eng mit dem Aspekt der Gemeinschaftskonstitution zusammenhängen, insofern etwa Ironie als Exklusionsmechanismus sowie als ein Mittel zur Einung einer Rezeptionsgemeinschaft dienen kann. Die skizzierten Untersuchungen verstehen sich dabei ausdrücklich auch als Beitrag zu einer allgemeineren und potenziell kulturübergreifenden Untersuchung des Verhältnisses zwischen Aufklärung und Lyrik.
DFG-Verfahren
Stelle
