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Interessenkonflikte und Dominanzhierarchien: Individuelle und soziale Reaktionen auf Gesundheitsrisiken in königinnenlosen Gesellschaften

Antragstellerin Dr. Priscila Hanisch
Fachliche Zuordnung Biologie des Verhaltens und der Sinne
Biochemie und Physiologie der Tiere
Ökologie und Biodiversität der Tiere und Ökosysteme, Organismische Interaktionen
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572810970
 
Soziale Insekten zeichnen sich durch eine Arbeitsteilung zwischen reproduktiven und nicht-reproduktiven Mitgliedern aus. Bei vielen Arten werden die Fortpflanzungsfunktionen von morphologisch spezialisierten Individuen monopolisiert, während nicht-reproduktive Mitglieder andere Aufgaben übernehmen, wie z.B. die Nahrungssuche. In einigen Arten haben jedoch morphologisch ähnliche Individuen das gleiche Fortpflanzungspotenzial. So ist es bei der Riesenameise Dinoponera grandis, einer königinnenlosen Art, bei der Arbeiterinnen sich paaren und fruchtbare Eier legen können. Die Fortpflanzung innerhalb der Kolonie wird durch ein komplexes Zusammenspiel von chemischer Signalgebung und Verhalten reguliert, das eine dynamische Dominanzhierarchie etabliert, bei der sich nur das dominanteste Weibchen reproduziert. Allerdings können die aggressiven Interaktionen, die zur Aufrechterhaltung dieser Hierarchie erforderlich sind, sowohl für einzelne Individuen als auch für die Kolonie kostspielig sein, was oft zu Verletzungen oder zur Destabilisierung der sozialen Struktur der Kolonie führt. Verletzte Individuen erhalten dabei möglicherweise Pflege von Nestgenossinnen, die Wunden lecken und Sekrete der Metapleuraldrüse auftragen, wodurch das Infektions- und Sterberisiko in der Kolonie verringert werden könnte. Dieses Projekt wird D. grandis als Modellart nutzen, um soziale Konflikte, Wundpflegeverhalten und soziale Immunität in Tiergesellschaften zu untersuchen. Durch die experimentelle Exposition von Individuen verschiedener hierarchischer Ränge gegenüber Krankheitserregern oder Verletzungen werde ich sowohl individuelle als auch kollektive Reaktionen quantifizieren, einschließlich möglicher Veränderungen im sozialen Status der betroffenen Individuen. Diese Studie wird die erste sein, die Wundpflegeverhalten (WP1) und soziale Immunität (WP2) innerhalb einer Gesellschaft untersucht, die sowohl Dominanzhierarchien als auch eine fruchtbare Arbeiterinnenkaste aufweist. Darüber hinaus werde ich analysieren, wie Individuen ihren verletzten oder infizierten Zustand durch kutikuläre Kohlenwasserstoffe (CHC) signalisieren oder verbergen (WP3). Insgesamt zielt dieses Projekt darauf ab, die Mechanismen zu entschlüsseln, durch die eine königinnenlose Gesellschaft Interessenkonflikte unter Individuen reguliert und auf Gesundheitsbedrohungen reagiert. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts werden wertvolle Einblicke in die soziale Evolution, soziale Konflikte, Kooperation und soziale Immunität bieten – Themen, die zunehmend relevant werden, um zu verstehen, wie soziale Gruppen interne Konflikte bewältigen und auf gesundheitliche Herausforderungen reagieren.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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