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Ethnographische Studien zum Vertretungsunterricht (VerUnES)

Fachliche Zuordnung Bildungssysteme und Bildungsinstitutionen
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573024717
 
Vertretungsunterricht, d. h. Unterricht, in dem Lehrpersonen vom eigentlichen Stundenplan abweichend unterrichten, etwa in einer anderen Klasse oder einem anderen Fach, ist bislang kaum erforscht. Das Projekt greift dieses Desiderat auf und konzentriert sich hierbei auf kurzfristigen schulklassenfremden Vertretungsunterricht, in dem sich Lehrperson und Schulklasse nicht oder kaum kennen. Im Fokus steht die Frage, wie sich Vertretungsunterricht in sozialer, wie fachlicher Hinsicht als Unterricht konstituiert, d. h. von Lehrpersonen und Schüler:innen interaktiv als ein solcher hervorgebracht wird. Denn es steht zu vermuten, dass Vertretungsunterricht infolge der fehlenden zeitlichen und damit sozialen, wie fachlichen Kontinuität von einer erhöhten Kontingenz gekennzeichnet ist, die Ordnung des Unterrichts fragiler ist bzw. expliziter ausgehandelt werden muss und sich damit Praktiken des Unterrichts teilweise anders vollziehen. Vor diesem (v. a. system- und praxistheoretischen) unterrichtstheoretischen Hintergrund sind insb. Unterrichtsanfänge, Disziplinierungen, Fachlichkeit und Arbeitsinterims im (Vertretungs) Unterricht von Interesse. Diese vier Phänomene sind für die (Wieder-)Herstellung einer gemeinsamen Unterrichtsordnung zentral und damit sowohl aus der Perspektive der Akteur:innen und ihrer Handlungsprobleme als auch aus unterrichtstheoretischer Sicht für die Erforschung der Konstitution von (Vertretungs-)Unterricht von herausragender Bedeutung. Dem Fokus auf die praktische Hervorbringung von Vertretungsunterricht als Unterricht entsprechend liegt dem Projekt ein ethnographisches Forschungsdesign zugrunde. Kern des Projekts ist die Beobachtung und Protokollierung von Vertretungsstunden sowie von Unterrichtsstunden, die im Anschluss an diese wieder bei der regulären Lehrperson stattfinden, um die Forschungsfrage auch im Vergleich zwischen Vertretungsunterricht und regulärem Unterricht zu beantworten. Im Laufe des Projekts wechseln sich zwei Feldphasen von insgesamt neunmonatiger Dauer mit Analysephasen ab. Die entstandenen Protokolle werden in Anlehnung an die Grounded Theory sequenzanalytisch untersucht, nachdem sie zur Systematisierung und begründeten Auswahl der Sequenzen offen codiert wurden. Um die Forschungsfrage nach der Konstitution von Vertretungsunterricht zu beantworten, werden in den Analysephasen zunächst Handlungsprobleme im Vertretungsunterricht und deren Bearbeitung immanent-empirisch untersucht. Im Folgenden wird dies immanent-theoretisch zu einer unterrichtstheoretischen Konzeptualisierung von Vertretungsunterricht verdichtet. Abschließend lässt sich exmanent-theoretisch aus allgemeiner unterrichtstheoretischer Perspektive fragen, inwiefern eine zeitliche und damit soziale wie fachliche Kontinuität sowie konkrete Personen und nicht bloß Rollen eine zentrale Konstitutionsbedingung von Unterricht darstellen, sodass die Beschreibung von Unterricht als organisierte Interaktion ausgeschärft werden kann.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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