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Transgeschlechtliche und genderdiverse Jugendliche in einer Spezialsprechstunde: Behandlungspfade, Zufriedenheit mit der Behandlung und psychische Gesundheit (TransFollow)

Antragstellerin Inga Becker-Hebly, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Klinische Psychiatrie, Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573880441
 
Das Projekt untersucht drei wichtige Ergebnisse in der Gesundheitsversorgung von trans- und genderdiversen (TGD) Jugendlichen: Behandlungspfade, Zufriedenheit mit der Behandlung sowie psychische Gesundheit nach der Behandlung. Die Zahl der TGD-Jugendlichen, die sich zur Behandlung ihrer Geschlechtsdysphorie oder -inkongruenz in spezialisierten Gesundheitseinrichtungen vorstellen, nimmt derzeit zu. Ebenso nimmt die Vielfalt der Entwicklungspfade und klinischen Präsentationen zu. Klinische Leitlinien erkennen an, dass sich Geschlechtsidentitäten und die damit verbundenen Behandlungsbedürfnisse unterscheiden. Deshalb werden individualisierte Behandlungsentscheidungen zur Linderung der psychischen Belastung empfohlen. Hierzu zählen vor allem geschlechtsangleichende medizinische Interventionen (GAMI), wie die Pubertätssuppression, geschlechts-angleichende Hormone oder Operationen. Die begrenzte prospektive klinische Forschung zu langfristigen Verläufen und Folgen zeigt, dass GAMI mit einer Verbesserung der psychischen Gesundheit bei TGD-Jugendlichen einhergehen können. Allerdings kommen Studien je nach Design und Follow-up-Zeitraum zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. In den meisten Längsschnittstudien wurden TGD-Jugendliche sorgfältig ausgewählt und nach einem bestimmten Protokoll behandelt. Dabei wurden die Rolle der psychotherapeutischen Unterstützung und die Frage, wie viele Jugendliche sich im Verlauf für eine Detransition entscheiden oder die Behandlung bereuen, nicht berücksichtigt. Zudem sind die empirischen Belege nicht relevant für neue klinische Präsentationen mit verstärkten psychischen Problemen, die die Eignungskriterien der bestehenden Follow-up-Studien nicht erfüllen. Dieses Projekt wird die zweite deutsche Follow-up-Studie sein, jedoch die erste, die eine größere Kohorte über einen längeren Zeitraum hinweg naturalistisch beobachtet und junge Menschen umfasst, die eine Spezialsprechstunde für Geschlechtsidentität (Hamburg GIS) aufsuchen. Das Projekt umfasst eine mittel- bis langfristige retrospektive Nachuntersuchung (Studie 1) sowie ein neues prospektives Studiendesign (Studie 2). In beiden Studien werden die folgenden primären Ergebnisse bezüglich der Behandlung in der Hamburg GIS untersucht: individuelle (vs. traditionelle) Behandlungspfade, Zufriedenheit mit der Transition und der Gesundheitsversorgung (vs. Bedauern oder Detransition) sowie psychische Gesundheit nach der Behandlung. Ziel beider Studien ist es, die aktuell wichtige Forschungsfrage zu beantworten, welche klinischen Merkmale und sozialen Faktoren (wie soziale und psychische Unterstützung) Behandlungsergebnisse vorhersagen und wie sich psychische Ergebnisse zwischen verschiedenen Behandlungsmodalitäten mit der Zeit unterscheiden. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind für die Entwicklung klinischer Leitlinien sowie für Personen, die mit jungen TGD-Menschen arbeiten, von Bedeutung und tragen somit zur Verbesserung der TGD-Gesundheit bei.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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