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Anhaltende Auswirkungen frühkindlicher Belastungen auf die hämatopoetische Funktion und die körpereigene Immunabwehr

Fachliche Zuordnung Klinische Infektiologie und Tropenmedizin
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573967095
 
Das Immunsystem spielt die entscheidende Rolle beim Schutz des Körpers vor Infektionen. Seine langfristige Funktionsfähigkeit kann jedoch durch Erfahrungen in der frühen Lebensphase beeinflusst werden. Zunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass psychosozialer Stress während sensibler Entwicklungsphasen – wie etwa bei frühkindlicher Vernachlässigung oder belastenden Kindheitserfahrungen – dauerhafte biologische Spuren hinterlassen und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten im späteren Leben erhöhen kann. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Ziel dieses Projekts ist es zu untersuchen, wie frühkindlicher Stress die Entwicklung und langfristige Funktion des Immunsystems verändert. Mithilfe eines etablierten Mausmodells, das frühkindliche Belastung durch eingeschränkte mütterliche Fürsorge simuliert, konnten wir bereits nachhaltige Veränderungen im Knochenmark beobachten – dem Ursprungsort aller peripheren Immunzellen. Diese Veränderungen deuten auf eine Reprogrammierung des hämatopoetischen Systems hin, die die Differenzierung und Reaktionsfähigkeit von Immunzellen langfristig beeinflussen könnte. Im nächsten Schritt untersuchen wir, wie sich diese früh geprägten Veränderungen auf die Immunantwort im Erwachsenenalter auswirken – unter Verwendung von Listeria monocytogenes als Modell-Erreger für bakterielle Infektionen. Durch die Kombination von Verhaltensanalysen, Infektionsverlauf und moderner Einzelzellanalytik werden wir klären, ob frühkindlicher Stress die Immunfunktion, die Fähigkeit zur Pathogeneliminierung oder die Erholung nach einer Infektion beeinträchtigt. Um die Relevanz unserer Ergebnisse für die menschliche Gesundheit zu erhöhen, analysieren wir zudem Daten der UK Biobank, einer groß angelegten Gesundheitsdatenbank. Wir untersuchen dabei Zusammenhänge zwischen frühkindlicher Belastung, immunologischen Biomarkern und Infektionsverläufen im Erwachsenenalter, um zu prüfen, ob sich beim Menschen ähnliche Veränderungen der Immunfunktion nachweisen lassen. Dieses Projekt soll zu einem tieferen Verständnis beitragen, wie psychosoziale Belastungen in der Kindheit die Immunkompetenz über die Lebensspanne hinweg prägen – und perspektivisch zur Entwicklung präventiver Strategien für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen beitragen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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