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AdaptInfra Teilprojekt 8: Parteien als Infrastruktur der politischen Willensbildung in ländlich-peripheren Räumen
Antragsteller
Professor Dr. Jochen Müller
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 547031340
Das Projekt analysiert politische Parteien als demokratische Infrastruktur in ländlich-peripheren Regionen am Beispiel Vorpommerns. Ziel ist es, Wechselwirkungen zwischen organisatorischer Verankerung, programmatischer Ausrichtung und infrastrukturellen Bedingungen in strukturschwachen Räumen zu erfassen. Im Zentrum stehen zwei Forschungsfragen: 1. In welcher Weise unterscheiden sich organisatorische Präsenz und Aktivitäten der Parteien in ländlich-peripheren Regionen von anderen Regionen in Deutschland? Ziehen sich Parteien tatsächlich aus der Fläche zurück, oder passen sie ihre Arbeitsweisen neuen Gegebenheiten an (z. B. verstärkte Digitalisierung oder überregionale Zusammenschlüsse von Ortsverbänden)? 2. Wie thematisieren politische Parteien ländliche Räume in ihren Programmen und mit welchen Deutungen sowie Lösungsvorschlägen reagieren sie auf infrastrukturelle Defizite? Zur Beantwortung dieser Fragen verfolgt das Projekt zwei Untersuchungsperspektiven: Organisatorische Analyse: Im Mittelpunkt steht, ob und wie Parteien ihre lokale Infrastruktur unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten. Erhoben werden u. a. Mitgliederentwicklung, Dichte aktiver Ortsverbände, materielle Ausstattung, Kandidierendenprofile sowie Verbindungen zur Landes- und Bundesebene. Besonderes Augenmerk gilt der Kreisgebietsreform 2011 in Mecklenburg-Vorpommern, die kleinere Kreise zu Großkreisen fusionierte. Diese Reform fungiert als natürliches Experiment: Sie veränderte institutionelle Rahmenbedingungen abrupt (z. B. durch Fusion von Kreisverbänden, veränderte Entfernungen, neue Zuständigkeiten) und erlaubt quasi-experimentelle Rückschlüsse auf parteiliche Anpassungsreaktionen. Zusätzlich wird die interne Variation innerhalb Vorpommerns systematisch genutzt: Die Analyse kontrastiert die Kreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald sowie Unterschiede zwischen städtischen Zentren und peripherem Binnenland. Dieses most-similar-systems-Design erhöht die interne Validität und ermöglicht differenzierte Aussagen zu Mustern politischer Erosion oder Resilienz. Programmatische Analyse: Auf Basis aller Landtagswahlprogramme der relevanten Parteien in den 13 deutschen Flächenländern (1990–2024) wird untersucht, wie ländlich Räume thematisiert werden - mit Blick auf Priorisierung, Problembeschreibungen, Lösungsangebote und narrative Rahmungen. Dabei wird auch analysiert, ob Parteien auf infrastrukturelle Schwächen - wie sie in anderen Teilprojekten z. B. bei Gesundheit oder Sicherheit untersucht werden - programmatisch eingehen und welche Vorstellungen räumlicher Gerechtigkeit sie formulieren. Durch die Verknüpfung beider Perspektiven erschließt das Projekt, wie parteiliche Infrastruktur und politische Repräsentation in ländlich-peripheren Räumen zusammenhängen - und ob Parteien weiterhin als demokratisches Rückgrat vor Ort wirken können.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Teilprojekt zu
FOR 5893:
Adaptionsprozesse von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlich-peripheren Räumen (AdaptInfra)
Mitverantwortlich
Dr. Stefan Ewert
