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AdaptInfra Teilprojekt 3: Adaptionsprozesse der Sicherheitsinfrastrukturen ländlich-peripherer Räume
Antragstellerinnen / Antragsteller
Professor Dr. Stefan Harrendorf; Professorin Dr. Silke Schmidt-Schuchert; Professor Dr. Samuel Tomczyk
Fachliche Zuordnung
Kriminologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 547031340
Das AdaptInfra-Projekt wird Adaptionsprozesse der Sicherheitsinfrastrukturen peripherer ländlicher Räume erforschen. Diese Räume zeichnen sich durch differentielle Sicherheitslagen und Anforderungen an Sicherheitsinfrastrukturen aus. Dies hat Auswirkungen nicht nur für die polizeiliche Gefahrenabwehr, sondern auch für die nichtpolizeiliche, insbesondere im Zivil- und Katastrophenschutz. In ländlichen-peripheren Räumen treten Vulnerabilitäten und Herausforderungen für die Gewährleistung der zivilen Sicherheit auf und werden adaptive Infrastrukturprozesse hin zu einer flexiblen, systemorientierten Sicherheitspraxis zunehmend erforderlich. Beeinträchtigungen des Vertrauens in die professionellen Akteure der Sicherheitsinfrastrukturen lassen auch Adaptionsprozesse in Richtung selbstorganisierter Gruppen mit Sicherheitsaufgaben erwarten (z.B. Bürgerwehren). Diese repräsentieren ein Bewusstsein für erhöhte Selbsthilfefähigkeit und Resilienzpotenziale der Bevölkerung, weisen aber zugleich auf politische Radikalisierungsgefahren hin. Vor der Folie der in ländlichen Regionen besonders gravierend wirkenden gesellschaftlichen Transformationsprozesse befasst sich TP 3 mit einer Analyse der Adaptionsprozesse der Sicherheitsinfrastruktur in ländlich-peripheren Räumen. Entsprechend werden die zentralen materiellen und personellen Merkmale von Sicherheitsinfrastrukturen in ländlich-peripheren Räumen untersucht. Zudem wird ein Blick auf die institutionellen Steuerungsoptionen angesichts veränderter Sicherheitslagen und -erwartungen und die Adaptionsfähigkeit der Strukturen geworfen. Es werden aussichtsreiche Kommunikationsstrategien und -mittel für die Information und Einbeziehung der Bevölkerung erforscht. Auch wird der Zusammenhang zwischen Maladaptionen der institutionalisierten Sicherheitsinfrastrukturen und der Herausbildung selbstorganisierter Gruppen mit Sicherheitsaufgaben untersucht. Das Projekt nutzt einen Mixed-Methods-Ansatz retrospektiv seit 1990, prospektiv für den Projektzeitraum. Es werden in zwei Erhebungswellen leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen aus Institutionen der Polizei und des Katastrophenschutzes, mit Multiplikator*innen (z.B. Pastor*innen, Bürgermeister*innen, Lehrer*innen) aus vier ausgewählten Fallgemeinden im Landkreis Vorpommern-Greifswald sowie mit Repräsentant*innen selbstorganisierter Gruppen mit Sicherheitsaufgaben bzgl. ihrer auf die Sicherheitsinfrastruktur bezogenen Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen geführt. Zudem erfolgen Sekundäranalysen quantitativer Bevölkerungsumfragen zu sicherheitsrelevanten Indikatoren sowie eine integrative Auswertung von Kriminalitäts-, Sozialstruktur- und Infrastrukturdaten. Auf Basis des Materials werden in Fallstudien adaptive Prozesse rekonstruiert. Das Projekt untersucht zudem als übergreifendes Querschnittsthema die Einflüsse der Digitalisierung auf Adaptionsprozesse von Infrastrukturen im ländlichen Raum.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
