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Von der Neuheit zur Norm: Habitualisierung und Internalisierung des Fußnotenjournalismus als Beispiel einer innovativen Transparenzpraxis im Journalismus

Antragsteller Dr. Lars-Ole Wehden
Fachliche Zuordnung Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574191299
 
1) Forschungskontext/Theorierahmen. Professioneller Journalismus ist in demokratischen Gesellschaften essenziell, da er die Bürger*innen mit relevanten Informationen versorgt. Repräsentative Umfragen zeigen jedoch einen Rückgang des Vertrauens in den Journalismus. Innovation spielen eine zentrale Rolle, um Vertrauen aufrecht zu erhalten. Infolgedessen befindet sich die Profession im Wandel, wobei zentrale Normen und Praktiken einer Neubewertung und -aushandlung unterzogen werden. Diese müssen jedoch zunächst eingeführt, diskursiv legitimiert, habitualisiert und verinnerlicht werden - sowohl von journalistischen Akteuren als auch vom Publikum. Über diese Prozesse ist bislang nur wenig bekannt. Aufbauend auf der theoretischen Konzeption von Journalismus als Institution analysieren wir diese Prozesse am Beispiel der Quellentransparenz-Praxis des Fußnotenjournalismus als einer neuen Norm, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. 2) Hypothesen/Forschungsfragen/Zielsetzungen. Wir analysieren, wie neuartige journalistische Normen und Praktiken normalisiert werden. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet: Wie werden neuartige journalistische Praktiken - am Beispiel der Quellentransparenzpraxis des Fußnotenjournalismus - von Journalist*innen habitualisiert und vom Publikum verinnerlicht? 3) Herangehensweise/Methoden. Wir führen vier empirische Studien durch: Eine qualitative Interviewstudie mit Journalist*innen aus Deutschland und Österreich, die Fußnotenjournalismus einsetzen; eine qualitative Längsschnitt-Interviewstudie mit Rezipierenden aus diesen beiden Ländern, die über einen längeren Zeitraum mit Angeboten des Fußnotenjournalismus in Kontakt gebracht werden; eine experimentelle Längsschnittstudie mit Rezipierenden mit und ohne Kontakt zu Fußnotenjournalismus; sowie eine experimentelle Eye-Tracking-Studie mit Fokus auf Design und Layout. 4) Grad der Originalität/Innovation. Das Projekt ist in theoretischer, empirischer und methodischer Hinsicht innovativ. Die Verinnerlichung neuer Normen als Teil der Erwartungen des Publikums stellt eine Forschungslücke mit großen Auswirkungen auf Journalismus-Publikums-Beziehungen dar, die den Journalismus als demokratische Institution prägen. Wir schließen diese Forschungslücke aus einer theoretischen und empirischen Perspektive, indem wir analysieren, wie es zu journalistischen Normverschiebungen kommt, wie und warum Journalist*innen neue Normen und Praktiken habitualisieren und wie diese von ihrem Publikum verinnerlicht und akzeptiert (oder abgelehnt) werden. Außerdem explorieren wir die neue Praxis des Fußnotenjournalismus aus theoretischer und empirischer Sicht. Methodisch bedient sich die Studie qualitativer und experimenteller Längsschnittdesigns, die in der Kommunikationswissenschaft bisher selten sind. Die Ergebnisse werden genutzt, um Handreichungen und Empfehlungen für Journalist*innen zu erstellen, die ihnen dabei helfen können, in Krisenzeiten effektive Strategien zur Vertrauensbildung zu entwickeln.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Österreich
Kooperationspartnerin Dr. Bernadette Uth
 
 

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