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Retabulum: Vergleichende Forschung zur Herstellungstechnik, Materialität und Medialität von hölzernen Altarschreinen aus Franken, der Oberlausitz und Schlesien unter Einbeziehung der Dendrochronologie
Antragsteller
Dr. Thomas Eißing
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Architektur, Bau- und Konstruktionsgeschichte, Bauforschung, Ressourcenökonomie im Bauwesen
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574598358
Der Herstellungsprozess der zum Teil sehr komplexen hölzernen Retabelschreine mit ihren statisch aufwändigen Wandlungen wurde im Gegensatz zur Malerei und Bildschnitzerei nur vereinzelt und wenig systematisch vergleichend erforscht. Ein wesentliches Ziel des Projektes ist die Erfassung der Handwerkstechniken im Schreiner- und Schmiedehandwerk am Beispiel von 34 bedeutenden Retabelschreinen der Zeit um 1500 aus Franken, der Oberlausitz und dem ehem. Schlesien. Die Auswahl der Objekte basiert auf kunsthistorischen und kunsttechnologischen Hypothesen zur Bildung von Werkgruppen sowie werkgruppenunabhängiger Beispiele. Durch die systematische Analyse und den Vergleich der Schreinbauweisen, der Werkzeugspuren, Holzarten und den Beschlägen soll die Frage beantwortet werden, ob in den Regionen eigenständige differenzierbare handwerkliche Praktiken festgestellt werden können und oder ein technologisch-handwerklicher Transfer und damit eine Angleichung der Handwerkspraktiken zwischen den Regionen zu beobachten ist. Zudem wird gefragt, ob die gefügekundlich feststellbaren Unterschiede der Schreinkastenherstellung eine eigenständige Gruppenbildung ermöglicht, die die kunsthistorische Werkgruppenbildung bestätigen, ergänzen oder auch korrigieren kann. Die dendrochronologische Datierung der Bretter soll neben der absoluten Datierung der Fälljahre durch die Feststellung der Zugehörigkeit von Brettern zu einem Baum oder durch Holzherkunftsnachweise zur Klärung der Fragen nach der Werkgruppenbildung beitragen. Der Standort musealisierter Retabel wird durch einen Scan des Umgebungsstandortes rekonstruiert, um die Frage nach den Maßbezügen zur umgebenen Architektur zu klären. Die Wirkung und die mediale Funktion der Retabel am originalen oder rekonstruierten Standort wird aus kunst- und bildwissenschaftlicher Perspektive analysiert. Die Arbeitsgruppe besteht aus den polnischen Kunsthistorikerinnen Dr. Agnieszka Patała und Dr. Masza Sitek, dem Schreiner und Holzrestaurator Gerald Grajcarek sowie dem Dendrochronologen und Holzgefügeforscher Dr. Thomas Eißing. Methodische werden die Arbeitsweisen der Holzgefügekunde (CAD-/Handaufmaße, Structur from Motion, 3D Visualisierungen), Archäometallurgie (Isotopenanalysen), Kunstgeschichte (Archivrecherche/ vergleichende Analysen) und der zerstörungsfreien bzw. zerstörungsarmen Dendrochronologie kombiniert. Die erhobenen Daten werden projektbegleitend in der öffentlich zugänglichen Datenbank ArsLigni an der HfbK Dresden hinterlegt.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Polen
Partnerorganisation
Narodowe Centrum Nauki (NCN)
Kooperationspartnerin
Dr. Agnieszka Patala
