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ExSec - Ist Sekretin ein Exerkin?
Antragsteller
Professor Dr. Martin Klingenspor; Professor Dr. Henning Wackerhage
Fachliche Zuordnung
Ernährungswissenschaften
Endokrinologie, Diabetologie, Metabolismus
Endokrinologie, Diabetologie, Metabolismus
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 575589239
Körperliche Aktivität ist eine wirksame Maßnahme zur Prävention und Behandlung von über 25 chronischen Erkrankungen, darunter metabolische, kardiovaskuläre, neoplastische und psychische Störungen. Die gesundheitsfördernden Effekte von Bewegung beruhen auf organspezifischen Anpassungen sowie auf systemischen Wirkungen von trainingsinduzierten Signalmolekülen, sogenannten Exerkinen. Unter diesen rückt das Peptidhormon Sekretin – historisch bekannt für seine Rolle bei der Pankreassekretion – erneut in den Fokus als potenzielles Exerkin mit bislang wenig erforschten systemischen Funktionen. Sekretin, ein 27-Aminosäuren-Hormon, wurde 1902 entdeckt und wird heute in allen enteroendokrinen Zelltypen von Maus und Mensch exprimiert. Mehrere Studien aus den 1980er Jahren sowie unsere aktuellen Daten zeigen, dass die Konzentration von zirkulierendem Sekretin während akuter Ausdauerbelastung bei Mensch und Maus ansteigt. Diese Reaktion bleibt bei untrainierten Personen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz aus, was auf einen Zusammenhang zwischen Fitnessstatus und Sekretinantwort hinweist. Neue Erkenntnisse unserer Arbeitsgruppe und internationaler Partner zeigen, dass Sekretin die Thermogenese im braunen Fettgewebe aktiviert, die Glukoseaufnahme in Skelettmuskel und Herz steigert, die Konzentration freier Fettsäuren im Blut erhöht und den Appetit unterdrückt. Diese Effekte sprechen für eine Rolle von Sekretin bei der Koordination von Energieverfügbarkeit und -nutzung in Phasen erhöhten Energiebedarfs wie beim Sport. Darüber hinaus steigert eine Sekretininfusion die kardiale Auswurfleistung und die myokardiale Glukoseaufnahme beim Menschen, was auf positive inotrope und metabolische Effekte auf das Herz hinweist. Genetische Daten unterstreichen die physiologische Relevanz der Sekretin-Signalgebung: Eine Missense-Variante im Sekretinrezeptor-Gen (SCTR) ist mit Typ-2-Diabetes bei ostasiatischen Populationen assoziiert. Dies legt nahe, dass eine gestörte Sekretin-Signalgebung zur Entstehung metabolischer Erkrankungen beitragen kann. Wir postulieren, dass Sekretin als katecholaminähnliches Exerkin wirkt, das trainingsinduzierte metabolische und kardiovaskuläre Anpassungen unterstützt. Unsere zentrale Hypothese lautet: Sekretin wird während Ausdauerbelastung freigesetzt, stimuliert die Lipolyse im Fettgewebe und die Glukoseaufnahme im Herzen und verbessert so die Energieversorgung und Leistungsfähigkeit des Organismus.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
