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Genetische Abstammung, Gesundheitsstatus und Reproduktionsfähigkeit der EAZA nordafrikanischen Löwen: Maßnahmen für ein Erhaltungszuchtprogramm

Fachliche Zuordnung Tierzucht, Tierernährung, Tierhaltung
Tiermedizin
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 575796940
 
Ex-situ-Erhaltungsprogramme in Zoos, die bedrohte Arten und Unterarten aktiv schützen, gewinnen angesichts von Artensterben und Lebensraumverlust zunehmend an Bedeutung. Ihre Effektivität lässt sich durch strategischen Ressourceneinsatz weiter steigern. Das Forschungsprojekt nutzt modernste genetische und reproduktionsbiologische Methoden, um ein umfassendes Verständnis der genetischen Abstammung, Diversität, Inzuchtrisiken, Gesundheit und Fruchtbarkeit von in Europa gehaltenen Löwen zu erlangen. Teil der Studie ist die Identifizierung der verbleibenden Berberlöwen in europäischen Zoos. Diese Tiere stellen die letzten bekannten Nachkommen einer Population dar, die historisch im Maghreb verbreitet war. Nach dem Aussterben in freier Wildbahn überlebte eine kleine Zahl in der königlichen Sammlung Marokkos. Im Laufe der Zeit wurden einige Nachkommen an europäische Zoos abgegeben. Diese Löwen sind kulturell bedeutsam und spielen eine symbolische Rolle im nordafrikanischen Natur- und Kulturerbe. Die heutige Zucht in akkreditierten Zoos der European Association of Zoos and Aquariums (EAZA) basiert ausschließlich auf Stammbäumen, da eine genetische Bestätigung fehlt. Daher bleibt unklar, ob sie tatsächlich von der ausgestorbenen nordafrikanischen Wildpopulation abstammen und sich genetisch von den jetzigen Unterarten unterscheiden. Diese Frage wurde durch eine kürzliche taxonomische Revision besonders relevant, in der zwei Unterarten anerkannt wurden: Panthera leo leo (West-/Zentralafrika, Indien) und P. leo melanochaita (Süd-/Ostafrika). Wir planen eine umfassende Vollgenomanalyse aller EAZA-Löwen (~852), um die Populationsstruktur zu beleuchten und die genetische Besonderheit nordafrikanischer Löwen zu prüfen. Ziel ist es, diese zu identifizieren und ihr Potenzial als Reservepopulation für wildlebende, bedrohte Löwenpopulationen zu bewerten. Dabei können wir unter anderem die genetische Gesundheit untersuchen, einschließlich Inzucht, genetischer Vielfalt und Mutationslast. Ergänzend erfolgen Gesundheits- und Fruchtbarkeitsuntersuchungen an genetisch bestätigten Individuen, darunter Hormonprofile, Beurteilungen der Fortpflanzungsorgane sowie Spermaanalysen mitsamt Kryokonservierung. Diese Daten ermöglichen uns, die Korrelationen zwischen Gesundheit, Fruchtbarkeit und Inzucht besser zu verstehen. Durch die Integration genetischer und klinischer Daten liefern wir fundierte Zuchtempfehlungen für ein nachhaltiges EAZA-Zuchtprogramm, das die genetische Vielfalt maximiert und einzigartige Genetik schützt. Diese Forschung schafft die wissenschaftliche Basis zur Optimierung von ex-situ-Erhaltungsmaßnahmen. Sie klärt, ob nordafrikanische Löwen als genetisch und reproduktiv geeignete Reservepopulation dienen können, und unterstützt so langfristige Schutzstrategien wie Wiederansiedlung und die genetische Rettung. Zugleich stellt sie ein Modell für die Integration angewandter Genetik und Reproduktionstechnologien im Artenschutz dar.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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