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Vertiefung des Verständnisses abweichender Muster der vagalen Stressreaktivität bei chronischer Erschöpfung.
Antragstellerin
Dr. Magdalena Wekenborg
Fachliche Zuordnung
Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576469499
Chronische Erschöpfung, die durch langanhaltenden psychosozialen Stress verursacht wird, stellt eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar und ist eng mit psychischen sowie physischen Pathologien, insbesondere kardiovaskulären Krankheiten, verbunden. Trotz ihrer zunehmenden Verbreitung sind die psychophysiologischen Mechanismen, die chronischer Erschöpfung zugrunde liegen, bislang nur unzureichend verstanden. Unsere eigenen Erkenntnisse sowie die Ergebnisse anderer Forschungsgruppen weisen darauf hin, dass eine vagale Dysregulation (messbar durch Veränderungen der Herzratenvariabilität [HRV]) im Labor und Alltag, insbesondere während der Konfrontation mit psychosozialen Stressoren, eine zentrale Rolle bei der Entwicklung chronischer Erschöpfung spielen könnte. Allerdings sind die Konsistenz dieser Effekte, innerhalb und zwischen Individuen, sowie die zugrundeliegenden neurokognitiven Mechanismen noch unklar. Das vorliegende binationale Projekt zielt darauf ab, diese Forschungslücke durch einen innovativen multimethodalen Ansatz zu schließen, der Laborstudien und Ecological Momentary Assessment (EMA) kombiniert und die Expertise des Else Kröner Fresenius Zentrums für Digitale Gesundheit (TU Dresden) und des Arbeitsbereichs Gesundheitspsychologie (Universität Graz) optimal nutzt. Als Grundlage dient das von uns entwickelte Neuro-Kognitive Vagale Erschöpfungsmodell (NC-VEX Modell), das auf etablierten psychophysiologischen Modellen (Polyvagal-Theorie, Neuroviszerales Integrationsmodell, Motivation-Intensitäts-Theorie) basiert. Das NC-VEX-Modell postuliert, dass chronischer Stress eine Dysregulation des zentralen autonomen Netzwerks bewirkt, insbesondere durch Beeinträchtigung fronto-limbischer Kopplung. Dies führt zu verringerter Flexibilität in der Anpassung an Umweltanforderungen. Die veränderte vagale Stressreaktivität spiegelt diese mangelnde Flexibilität wider. Über die Zeit entsteht so ein Teufelskreis, der in chronischer Erschöpfung resultiert. Das Modell schlägt vor, dass auf kognitiver Ebene eine veränderte Wahrnehmung von Aufgabenanforderungen (task difficulty) die Beziehung zwischen zentralautonomer Dysregulation und dem abweichenden vagalen Stressreaktionsmuster vermittelt. Das Projekt testet zentrale Aussagen des NC-VEX-Modells in drei Arbeitspaketen (AP): 1. AP1: Analyse des Einflusses intraindividueller Veränderungen chronischer Erschöpfungssymptome auf die HRV-Stressreaktivität mittels eines Längsschnittdesigns, das Laborexperimente und EMA kombiniert. 2. AP2: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Modulation fronto-basaler Kopplungen während eines Laborstressors und der vagalen Dysregulation bei akutem Stress im Alltag durch die Kombination von Laborexperimenten und EMA. 3. AP3: Untersuchung der (Mal-)Adaptivität der mit chronischer Erschöpfung assoziierten veränderten vagalen Stressreaktivität durch eine just-in-time adaptive Intervention (JITAI) zur Modulation der HRV.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Österreich
Partnerorganisation
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Kooperationspartner
Privatdozent Dr. Christian Rominger
