Detailseite
Projekt Druckansicht

Geschichte(n) in einem „dichten Befund“ – eine multidisziplinäre Untersuchung des ägyptischen Sarges mit Mumie in Münster

Fachliche Zuordnung Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576718915
 
Im Archäologischen Museum der Universität Münster befindet sich als Dauerleihgabe ein altägyptischer Sarg mit einer Mumie. Der Sarg ist vermutlich in die späte 21./frühe 22. Dynastie (10. Jh. v. Chr.) zu datieren, und die Mumie ist die eines mindestens 30 Jahre alten Mannes. Eigentümerin des Ensembles ist die Stadt Mülheim an der Ruhr, denn 1903 wurde es von Wilhelm Schmitz-Scholl dort seiner ehemaligen Schule gestiftet. Die Forschung zum Münsteraner Konvolut wird anhand von zwei Leitlinien durchgeführt. Ein Strang liegt in der disziplinären Analyse der vielen Einzelaspekte: Materialuntersuchungen (Holz, Stuck, Pigmente, Firnis, Textil), weitere Untersuchungen an der Mumie (Balsamierungssubstanzen, Isotopen, DNA, Mikrobiologie) sowie Beifunden (Käfer) und nicht zuletzt eine umfassende ägyptologische Untersuchung unter Einbeziehung der nach der Erstedition veröffentlichten relevanten Werke. Für die einzelnen Aspekte konnten unterschiedliche Kolleginnen und Kollegen gewonnen werden, die jeweils mit ihrer Expertise an das Ensemble herantreten. Eine zweite Orientierung liegt im diachronen Blickwinkel: Beginnend mit der Herstellung des Sarges, als Werkstück eines Schreiners, der Überarbeitung durch den Stucküberzug und die Farbfassung, über die Nutzung und mögliche Wiederverwendung bis zur Deponierung, schließlich ab dem Fund, über den Kauf durch Wilhelm Schmitz-Scholl, die Schenkung an die Schule, die „Schulzeit“, die Überlassung an das Archäologische Museum bis zur Rezeption durch die Besucher bei Ausstellungen wird das „Leben“ der Objekte nachvollzogen und die Einbettung in den Erfahrungshorizont der jeweiligen Akteure (Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Handwerke, der Trauergemeinschaft, des Antikenhandels, der Schulgemeinschaft, des Museumspublikums und nicht zuletzt der Wissenschaft) versucht zu ergründen. Das Münsteraner Ensemble ist weder außergewöhnlich noch von besonders hoher Qualität. Doch gerade dadurch ist es gut geeignet für eine umfassende Publikation, denn in der Regel sind es die ungewöhnlichen oder exquisiten Objekte, die als Einzeluntersuchungen veröffentlicht werden. Dies bringt unser Bild über ägyptische Särge jedoch in eine Schieflage, da der Großteil dieser Objektgruppe nicht künstlerisch hochwertig ist, diese aber in vielen Museen vorhanden sind. Daher kann mit diesem durchschnittlichen Ensemble ein altägyptischer Standard vorgestellt werden, der auch als Referenzwert für andere Konvolute, auch in unterschiedlichem Erhaltungszustand, dienen kann.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung