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Abraham Elmaleh (1885–1967): Intellektueller und politischer Akteur zwischen Osmanischem Reich, Britischem Mandat und Israel

Antragsteller Tamir Karkason, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Religionswissenschaft und Judaistik
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576871300
 
Das vorgeschlagene Projekt stellt die erste umfassende historisch-biografische Studie über Abraham Elmaleh (1885–1967) dar – eine Schlüsselfigur der sephardisch-misrachischen Intelligenz in Palästina und dem frühen Israel. Elmaleh wird hier als ein mediterran-jüdischer Intellektueller verstanden, dessen Denken durch Bewegungen zwischen imperialen und nationalen Regimen geprägt wurde. Das Projekt untersucht, wie solche transregionalen Erfahrungen eine kritische Auseinandersetzung mit „westlich-zentrierten“ Modellen jüdischer Moderne ermöglichten. Elmalehs Lebensweg steht exemplarisch für eine breitere Generation osmanisch und post-osmanisch geprägter jüdischer Intellektueller, deren Arbeit aus mehrsprachigen Umfeldern, gemeinschaftlichen Institutionen und regionalen Kontexten hervorging. Durch die integrierte Analyse seines intellektuellen und politischen Wirkens trägt das Projekt zu aktuellen Bestrebungen bei, jüdische Moderne durch transregionale, mediterrane und nicht-hegemoniale Perspektiven neu zu denken. Um zu verstehen, wie sich solche Dynamiken konkret entfalteten, konzentriert sich das Projekt auf Leben und Werk Elmalehs. Geboren in Jerusalem in eine rabbinische Familie marokkanischer Herkunft, wurde er zu einer zentralen öffentlichen Figur und vertrat die sephardische Gemeinde im Exekutivkomitee des Jüdischen Nationalrats sowie in der ersten Knesset. Parallel dazu entwickelte er ein wissenschaftliches Œuvre in den Bereichen Geschichte, Ethnografie und Lexikografie, das die zentrale Bedeutung von Juden aus muslimischen Ländern für die moderne jüdische Geschichte betonte und zugleich eine Plattform für deren kulturelle und politische Selbstartikulation in einem sich rasch wandelnden Umfeld bot. Seine Schriften auf Hebräisch, Arabisch, Französisch und Ladino richteten sich sowohl an lokale Leserschaften als auch an weitere Netzwerke sephardischer, misrachischer, nahöstlicher und frankophoner Gemeinschaften. Während Elmalehs publizierte Arbeiten bereits teilweise wissenschaftlich beleuchtet wurden, ist sein umfangreicher Nachlass – verteilt auf sechs Sammlungen in Jerusalem – bislang völlig unerforscht geblieben. Durch die Verbindung seiner veröffentlichten Schriften mit dieser archivalischen Überlieferung erlaubt das Projekt eine Neubewertung der kulturellen und politischen Rollen sephardischer und misrachischer Akteure im Jischuw, die in der jüdischen wie auch der nahöstlichen Historiografie oft marginalisiert wurden. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag zu weiter gefassten Debatten über kulturelle Moderne, gemeinschaftliche politische Strategien und mehrsprachiges intellektuelles Leben in der spätosmanischen und postosmanischen Welt.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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