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Syntaktische Stärke. Ein Ansatz im Rahmen der Minimalistischen Gradienten Harmonischen Grammatik
Antragsteller
Professor Dr. Gereon Müller
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577007200
Eine weitverbreitete Annahme in Prinzipien-&-Parameter- und Minimalistischen Zugängen zur Syntax ist, dass funktionale Kategorien stark oder schwach sein können, und so bestimmte Operationen lizensieren oder blockieren. Dabei ist allerdings unklar, wie Stärke in der syntaktischen Theorie modelliert werden kann (diakritische Merkmale sind konzeptuell fragwürdig, und darüber hinaus empirisch problematisch, weil eine binäre Klassifikation nicht ausreicht). Vor diesem Hintergrund wird das Projekt den Stier bei den Hörnern packen und die Hypothese verfolgen, dass Stärke von syntaktischen Elementen unmittelbar mit numerischem Gewicht zu identifizieren ist, wie das von Paul Smolensky in neueren Arbeiten zur Gradienten Harmonischen Grammatik (einer Variante der Optimalitätstheorie) für die Phonologie vorgeschlagen worden ist (vgl. auch Haj Ross' Arbeiten zur Squishy Grammar aus den 70ern). Durch die Kombination dieses Ansatzes mit dem strikt derivationellen optimalitätstheoretischen Ansatz, der unabhängig von Fabian Heck und mir entwickelt worden ist, um Reparaturphänomene und die Auswirkungen von Präferenzprinzipien (wie Verkettung vor Bewegung) in der Minimalistischen Syntax zu erfassen, entsteht ein Grammatikmodell, das Stärke in minimalistische (merkmalsgetriebene, Phasen-basiere) Derivationen integriert: Minimalistische Gradiente Harmonische Grammatik. Zentrales Ziel des Projekts ist es, grundsätzliche Antworten auf sechs übergeordnete Forschungsfragen zu geben: (Q1) Kann das Konzept der syntaktischen Stärke empirisch begründet werden? (Hypothese: ja.) (Q2) Wie ist syntaktische Stärke in der Grammatiktheorie zu modellieren? (Hypothese: über numerische Gewichte.) (Q3) Welche Arten von syntaktischen Objekten sind für Stärke spezifiziert? (Hypothese: Merkmale, Kategorien, Phrasen und Dependenzen.) (Q4) Können syntaktische Objekte mehr als eine Art von Stärke aufweisen? (Hypothese: nein.) (Q5) Ist Stärke zufällig über syntaktische Objekte verteilt, oder gibt es allgemeine Restriktionen? (Hypothese: Hierarchie ist relevant für primitive Elemente, Frequenz für Dependenzen.) (Q6) Ist Stärke eine unveränderliche Eigenschaft von syntaktischen Objekten, oder kann sie sich in der Derivation verändern (wie Smolensky und Chomsky vorgeschlagen haben)? (Hypothese: Stärke ist eine unveränderliche Eigenschaft.) Auf der Grundlage von empirischer Evidenz aus dem Deutschen und einschlägigen Phänomenen aus anderen Sprachen wird das Projekt sich diesen Fragen zuwenden durch Detailuntersuchungen von fünf verschiedenen Bereichen, für die vorgeschlagen worden ist, dass syntaktische Stärke eine Rolle spielt: (D1) Stärke und Morphologie (Verbbewegung, Pro-Drop); (D2) Stärke und Bewegung (Extraktionsasymmetrien); (D3) Stärke und Frequenz (Extraktion aus NP, differentielle Objektmarkierung, Phraseme); (D4) Stärke und implizite Argumente (passivische Konstruktionen); sowie (D5) Stärke und Kartographie.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
