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Reichsitalien digital. Fluide Herrschaftsräume erforschen und visualisieren.

Antragsteller Dr. Sven Dittmar
Fachliche Zuordnung Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577018751
 
Das Projekt „Reichsitalien digital. Fluide Herrschaftsräume erforschen und visualisieren.“ leistet Grundlagenforschung zur politischen Konfiguration Reichsitaliens in der Frühen Neuzeit und nutzt hierfür punktbasierte interaktive Webvisualisierungen als methodisch innovatives Analyse- und Darstellungswerkzeug. Hierbei sollen nicht die Rechtsnormen, sondern die Herrschaftspraktiken zeitlich und geographisch breit erfasst und visualisiert werden, um zeitlich und geographisch differenzierte Herrschafts-, Einfluss- und Handlungsräume zu erkennen. Das Projekt zielt darauf ab, eine digitale Visualisierung der Herrschaftspraktiken zu entwickeln, die für das frühneuzeitliche Reichsitalien auf Grundlage der Archivbestände des Reichshofrats in Wien und der Plenipotenz in Mailand erfassbar sind. Der breite Zuschnitt des Projekts bei gleichzeitiger Fokussierung auf wenige, aussagekräftige Herrschaftspraktiken und klar definierte Quellenbestände garantiert die Durchführbarkeit bei gleichzeitiger fachlicher Relevanz. Damit wird das angestrebte Projekt nicht nur einen Beitrag zur Erforschung Reichsitaliens und letztlich der Verfasstheit des ganzen Reiches leisten, sondern auch in methodischer Hinsicht Neuland beschreiten, indem Herrschaftsräume als multipolares Beziehungsgeflecht, ausgehend von ortsgebundenen Rechten, Ansprüchen und Zugehörigkeiten, greifbar werden. Zudem wird die kartographische Visualisierung innovativ als heuristischer Ansatz, analytisches Instrument und eigenständiges methodisches Werkzeug zur Generierung von Erkenntnissen genutzt. Aufgrund der Fluidität der Zuschreibungen von Zugehörigkeit zum Reich bietet sich Reichsitalien in besonderer Weise für die Entwicklung von Karten an, die Raum als soziale Konstruktion begreifen. Denn das Reich folgte vorwiegend den Logiken eines Personenverbands, die niemals ganz von einer rein flächenmäßigen Vorstellung von Herrschaft ersetzt wurden. Diese Einsicht soll nun erstmals im Zentrum eines Forschungs- und Visualisierungsprojekts stehen. Auf inhaltlicher Ebene kann damit das Projekt einen Beitrag zur historisch-kritischen Raumreflexion im deutsch-italienischen Diskurs leisten, der jedoch auch darüber hinaus bedeutend ist: Letztlich bietet das Projekt einen neuen Ansatz zur Erforschung und Darstellung vormoderner Herrschaft über das Alte Reich hinaus. Der innovative Charakter des Projekts ergibt sich dabei aus der Kombination seiner inhaltlichen und methodischen Ausrichtung: Inhaltlich wird Grundlagenforschung zur politischen Konfiguration Reichsitaliens in der Frühen Neuzeit bereitgestellt. Methodisch werden die Möglichkeiten der interaktiven Webkartographie zur Exploration des Raumes als soziale und rechtliche Konstruktion weiterentwickelt. Die enge Verzahnung von Inhalt und Methodik verspricht substantielle Erkenntnisgewinne und das Potential, kartographische Visualisierungen auf Grundlage digitaler Methodik als heuristische Methode beispielhaft in die historische Forschung einzuführen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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