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Weibliche Ehrgeiz im englischen politischen Denken des 17. Jahrhunderts

Antragstellerin Dr. Geertje Bol, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Frühneuzeitliche Geschichte
Geschichte der Philosophie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577211856
 
Für einen großen Teil der westlichen Geschichte galt Ehrgeiz nicht als Tugend, sondern als gefährliches Laster. Das änderte sich im 17. Jahrhundert, als ehrgeizige Männer zunehmend als tatkräftig und nützlich beschrieben wurden. Aber für Frauen blieb es ein hochproblematisches Attribut: ehrgeizige Frauen galten als unnatürlich, eitel oder sogar bedrohlich. Das Projekt untersucht diesen doppelten Maßstab im England des 17. Jahrhunderts – einer Zeit, in der sich die Bewertung des Ehrgeizes grundlegend veränderte. Während Männer von dieser Neubewertung profitierten, blieben Frauen weitgehend ausgeschlossen. Gleichzeitig aber traten Autorinnen wie Rachel Speght, Margaret Cavendish, Mary Astell und Judith Drake hervor, die den weiblichen Ehrgeiz neu interpretierten. In ihren Schriften deuteten sie ihn nicht als Laster, sondern als Tugend: als Streben nach Wissen und Bildung, als Quelle moralischer Stärke oder als Voraussetzung gesellschaftlicher Reformen. Das Projekt verfolgt zwei Ziele: Erstens rekonstruiert es, wie weiblicher Ehrgeiz in der politischen, religiösen und literarischen Kultur dargestellt wurde. Zweitens zeigt es, wie frühe Feministinnen den Begriff umdeuteten und als Argument für Gleichheit, Würde und politische Teilhabe nutzten. Indem das Projekt einen bisher vernachlässigten Strang des frühen Feminismus sichtbar macht, bereichert es sowohl die Ideengeschichte als auch die Geschichte des Feminismus, in denen der Ehrgeiz bislang weitgehend übersehen wurde. Zugleich bietet es wertvolle Anknüpfungspunkte, um Ehrgeiz auch heute neu zu überdenken.
DFG-Verfahren Stelle
 
 

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