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Optimierung der elektrochemischen C–C-Bindungsspaltung durch Grenzflächengestaltung
Antragstellerin
Dr. Sonja Mürtz
Fachliche Zuordnung
Technische Chemie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577407499
Das Vorhaben zielt darauf ab, neuartige elektrochemische Methoden zur selektiven Spaltung von Kohlenstoff–Kohlenstoff-Bindungen (C–C) zu entwickeln, um Kunststoffe chemisch zu recyceln und damit eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu fördern. Bisher konzentrieren sich elektrochemische Recyclingansätze überwiegend auf die Spaltung von C–O-Bindungen; eine direkte, effiziente C–C-Spaltung zur Depolymerisation gängiger Kunststoffe ist weitgehend unerforscht. Die Antragstellerin knüpft an ihre Erfahrung in der Glycerin-Elektrooxidation an, bei der C–C-Spaltung beobachtet wurde, sowie an erste Ergebnisse zur elektrochemischen Depolymerisation von Polymeren. Ausgangspunkt sind systematische Untersuchungen mit Ethylenglykol als einfachem Modellmolekül. Durch Variation von Elektrodenmaterial, Potential, pH-Wert, Temperatur und Konzentration sollen optimale Bedingungen für die oxidative C–C-Spaltung ermittelt werden; die Ausbeute an Ameisensäure dient als zentrale Kenngröße. Zudem werden strukturelle Variationen und funktionelle Gruppen nahe der C–C-Bindung untersucht, um die Reaktionsmechanismen zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend auf Polymere übertragen, beginnend mit Polyvinylalkohol aufgrund seiner strukturellen Nähe zu Ethylenglykol und guten Wasserlöslichkeit, später auf weitere Polymere wie Polyglycolid und Polymilchsäure. Herausforderungen wie eingeschränkter Stofftransport, geringe Löslichkeit und konkurrierende Nebenreaktionen sollen durch gezieltes Elektrolyt- und Grenzflächendesign gelöst werden. Im Fokus steht die Optimierung der Elektrode–Elektrolyt-Grenzfläche zur Verbesserung des Polymerkontakts, Unterdrückung der Wasserspaltung und Steigerung der Selektivität. Dazu werden Kationen, Anionen und deren Konzentrationen systematisch variiert sowie organische Additive wie Tenside oder molekulare Modifikatoren getestet. Mechanistische Einblicke liefern in-situ-Methoden wie ATR-SEIRAS und EQCM-D, die Adsorption, Grenzflächenstruktur und Intermediate analysieren. Das Projekt verbindet grundlegende Mechanistikstudien mit angewandten Recyclingstrategien und erweitert die elektrochemischen Methoden für das Recycling von Kunststoffen ohne hohe Temperaturen oder fossile Reagenzien. Das Projekt wird von einer umfangreichen elektrochemischen Ausstattung und fachkundiger Betreuung profitieren und so das Ziel der Antragstellerin unterstützen, ein unabhängiges Forschungsprofil aufzubauen und eine eigene Forschungsgruppe in Deutschland zu etablieren.
DFG-Verfahren
WBP Stipendium
Internationaler Bezug
Schweiz
Gastgeberin
Professorin Dr. Maria R. Lukatskaya
