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Identifizierung des physiologischen Auslösers der vasovagalen Synkope mittels kombinierter LBNP und MRT
Antragsteller
Dr. Fabian Möller
Fachliche Zuordnung
Anatomie und Physiologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577528060
Vasovagale Synkope (VVS) ist eine häufige Form der Ohnmacht, die durch einen plötzlichen Abfall von Herzfrequenz und Blutdruck verursacht wird und zu Bewusstseinsverlust führt. Sie tritt oft bei gesunden Personen während längerem Stehen auf, wird jedoch wahrscheinlicher nach längerer Bettruhe oder während Raumflügen in Schwerelosigkeit. Diese Bedingungen reduzieren den normalen Einfluss der Schwerkraft auf die Blutdruckregulation. Trotz ihrer Häufigkeit und klinischen Bedeutung ist der genaue physiologische Auslöser von VVS bislang nicht abschließend geklärt. Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob VVS durch eine Verlangsamung der Herzfrequenz über vagale Nervenaktivität oder durch einen plötzlichen Abfall der sympathischen Nervenaktivität verursacht wird, der zu einer Gefäßerweiterung und einem Blutdruckabfall führt. Beide Mechanismen können zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und der VVS führen. Frühere Studien basierten auf indirekten oder unzuverlässigen Messmethoden und konnten die zugrunde liegende Ursache nicht eindeutig identifizieren. Ziel dieses Projekts ist es daher, zu klären, ob der Auslöser der Synkope in einer Sympathikus-Reduktion oder einer vagalen Hemmung des Herzens liegt. Diese Frage ist entscheidend für bessere Diagnose-, Vorhersage- und Präventionsstrategien und relevant für Patienten, ältere Menschen und Astronauten. Das Projekt kombiniert Echtzeit-Magnetresonanztomographie (MRT) mit Unterkörper-Unterdruck-Kammern (Lower Body Negative Pressure, LBNP), um Parameter des Herzens und der autonomen Nervenaktivität in den entscheidenden Momenten vor einer Synkope präzise zu erfassen. LBNP simuliert im Liegen die Effekte des aufrechten Stehens, indem es Blut aus dem Oberkörper in die Beine verlagert. Am gastgebenden Institut wurden hierfür MRT-kompatible Geräte entwickelt. Die Kombination aus LBNP und MRT ermöglicht es, Herzvolumina, Blutfluss und autonome Reaktionen exakt zum Zeitpunkt der Synkopenentstehung zu messen. Die konkreten Ziele des Projekts sind: • Identifikation des physiologischen Auslösers der vasovagalen Synkope durch Quantifizierung von Herzvolumina, venösem Blutfluss und sympathischer Nervenaktivität unter schrittweiser orthostatischer Belastung. • Charakterisierung individueller Unterschiede in Schlagvolumen, Gefäßtonus und autonomer Regulation als Reaktion auf orthostatischen Stress. • Bewertung der Machbarkeit von kombiniertem LBNP und MRT als personalisiertes Diagnose- und Forschungstool zur Beurteilung der orthostatischen Toleranz und zur Entwicklung gezielter Gegenmaßnahmen. Die Studie wird am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Betreuung von Prof. Jens Tank durchgeführt, einem anerkannten Experten auf dem Gebiet der kardiovaskulären Regulation. Durch eine präzise Bestimmung des Zeitpunkts und des Mechanismus der Synkope trägt dieses Projekt dazu bei, bessere Diagnose-, Vorhersage- und Präventionsstrategien für betroffene Personen auf der Erde sowie für Astronauten zu entwickeln.
DFG-Verfahren
Stelle
