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Geopedologische Fingerabdrücke von Raised Beds in Nordwestirland – Eine Vorstudie zum Verständnis der Langzeiteffekte historischer landwirtschaftlicher Landschaftsformen auf heutige Ökosysteme
Antragsteller
Dr. Alexander Bonhage
Fachliche Zuordnung
Physische Geographie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 578235607
Diese Vorstudie umfasst die Untersuchung historischer Feldsysteme, sogenannter Raised Beds (RBs), in Nordwestirland. RBs sind bislang unzureichend beschriebene anthropogene Landschaftsformen, die potenzielle Auswirkungen auf heutige Bodeneigenschaften und -funktionen haben und somit einen sogenannten Legacy-Effekt aufweisen. Historisch diente das Anlegen von RBs der Verbesserung des Bodens hinsichtlich Drainage und Fruchtbarkeit. Dies wurde durch die Schaffung einer linearen, wellenförmigen Oberflächenstruktur der Feldoberfläche erreicht: tiefere Bereiche (Furrows) dienten der Entwässerung des Bodens, während höhere Bereiche (Ridges) als Pflanzfläche hauptsächlich für Kartoffeln und Hafer genutzt wurden. Morphologisch ähneln RBs den in Deutschland anzutreffenden Wölbäckern. Das gesamte System wurde jährlich neu errichtet, wobei organische Düngemittel (z. B. Seegras, Mist) eingearbeitet wurden, um die Fruchtbarkeit zu verbessern. Diese Praxis reicht vermutlich Jahrtausende zurück, was auch die Einfachheit des Verfahrens widerspiegelt. RBs wurden durch Pflügen, vor allem aber durch den Einsatz spezieller Spaten (sogenannter Loys) geschaffen. Das Ende der großflächigen Nutzung von RBs kam mit einem Wandel der landwirtschaftlichen Strategie Irlands nach der Großen Hungersnot (1845–1849), als die weitgehende Monokultur des Kartoffelanbaus durch eine verstärkte Diversifizierung der Feldfrüchte und Viehwirtschaft ersetzt wurde. RBs sind heutzutage durch ihre charakteristische wellenförmige Oberfläche in der Landschaft sowie auf Satelliten- und Luftbildern erkennbar. Pedologische und morphologische Untersuchungen an irischen RBs sind bislang weitgehend nicht vorhanden, Voruntersuchungen zeigen jedoch Hinweise auf signifikant veränderte Oberflächen- und Bodeneigenschaften. Diese Vorstudie soll spezifische morphologische und geochemische Fingerabdrücke in RBs identifizieren, um fundierte Fragestellungen für ein Nachfolgeprojekt zu entwickeln. Dazu werden im Folgenden drei Arbeitspakete definiert: Morphologische Fingerabdrücke – Eine Fernerkundung basierend auf hochauflösenden, drohnenbasierten Luftbildern (RGB, Thermal, Multispektral) in Kombination mit Feldbefunden soll die Beschaffenheit von Oberflächeneigenschaften und die Bodenfeuchteverteilung auf RBs analysieren. Pedologische Fingerabdrücke – Ausgewählte RBs werden bodenkundlich beschrieben und beprobt. Neben Standardparametern liegt der Fokus auf der Auswertung geochemischer Tracer, um Informationen über historische Bodenverbesserungsmaßnahmen (z. B. Einsatz von Seetang, Muscheln, Kalkstein) zu gewinnen. Kartierung und Datensynthese – Die Ergebnisse werden im Rahmen einer räumlichen Analyse zusammengefasst, und weitere Hypothesen für ein Nachfolgeprojekt werden formuliert, in dem die identifizierten statischen Eigenschaften (Fingerabdrücke) hinsichtlich ihres dynamischen Legacy-Effekts auf lokale Ökosysteme untersucht werden.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Mitverantwortlich
Professor Dr. Thomas Raab
