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Frühchristliche Skulptur: neue Kontexte, neue Repräsentationsformen?
Antragstellerin
Dr. Stefanie Archut
Fachliche Zuordnung
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 578344606
Das Projekt geht der Frage nach, inwiefern auch für den frühchristlichen Sakralraum figürlich plastischer Dekor anzunehmen ist. Der deutliche Rückgang rundplastischer Skulptur in öffentlichen Räumen, insbesondere ab dem 5.Jh., hat die Forschungsmeinung geprägt, dass mit „frühchristlicher Skulptur“ in sakralen Räumen nicht zu rechnen sei. Die Veränderungen des Zeit-Geschmacks, der Bedeutungsverlust öffentlicher Räume im Verlauf der Spätantike sowie das vermeintlich höhere Mitteilungspotential zweidimensionaler Bildwerke, werden – neben der vermeintlichen Bilderfeindlichkeit des Christentums – immer wieder als Erklärungsmodelle für die scheinbare Abwesenheit dreidimensionaler Bildwerke in Kirchen herangezogen. Im Rahmen des Dissertationsprojekts der Antragstellerin gelang jedoch ein neuer Einblick in die plastischen Ausstattungskonzepte frühchristlicher Sakralbauten: Dezidiert auch als Stiftungen benannt wurden im mittleren 5.Jh. dreidimensionale stehende Figuren aus Stuck im Obergaden frühchristlicher Sakralgebäude realisiert. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den frühchristlichen Sakralraum auf weitere plastische Ausstattungskonzepte hin zu untersuchen und die Perspektive auf frühchristliche Skulptur neu zu justieren. Dazu soll in einem ersten Schritt ein vergleichender Blick auf skulpturale Ausstattungen in profanen Kontexten gelegt werden, wie sie sich etwa in der spätantiken Villenlandschaft auf der iberischen Halbinsel neuerdings nachweisen lassen oder in Gallien bereits umfassend untersucht wurden. In einem zweiten Schritt sollen die Ergebnisse mit dem frühchristlichen Sakralraum verglichen werden. Dazu muss zunächst der Begriff der „Skulptur“ weiter als bisher gefasst werden, so dass neben Rundplastik auch zahlreiche figürlich plastische Elemente in die Untersuchung aufgenommen werden können. Dazu zählen figürliche Darstellungen auf Säulen und Ziboriumsanlagen, Figuralkapitelle, liturgisches Mobiliar und weitere Reliefskulptur. Die Arbeitshypothese lautet, dass plastische Bildwerke in deutlich größerem Ausmaß als bisher angenommen im Kircheninneren zum Einsatz kamen. Damit stellt das hier skizzierte Projekt auch den ersten Untersuchungsabschnitt des Habilitations-Projekts der Antragstellerin dar, das sich dem Phänomen der „Interiorisierung der Repräsentation“ in der Spätantike erstmals umfassend und gattungsübergreifend nähert.
DFG-Verfahren
Stelle
