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MAKERS: Multi-Agenten Steinschlag-Experimente
Antragsteller
Dr. William Daniel Snyder, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Evolution, Anthropologie
Evolution, Anthropologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 579073606
Mehr als 3 Millionen Jahre lang haben Mitglieder unserer evolutionären Abstammungslinie Steine zu scharfen Werkzeugen geschlagen, durch die sie maßgeblich ihre Lebensweise aufrecht erhalten konnten. Steinwerkzeuge gelten daher als eine einzigartige und unschätzbare Datenquelle, aus der wir Rückschlüsse auf das Verhalten und die Kognition der vormodernen Homininen ziehen können. Eine der grundlegenden Methoden zur Rekonstruktion des Verhaltens und der Kognition von Homininen ist die experimentelle Reproduktion steinzeitlicher Artefakte durch lebende Menschen, seien sie nun erfahrene Werkzeugmacher oder Lernanfänger. In früheren Experimenten dieser Art wurden die Reduktionssequenzen von Steinartefakten grundsätzlich von einzelnen Steinschlägern in kurzen, ununterbrochenen Sitzungen durchgeführt. Aus diesen Experimenten haben Archäologen eine Reihe von Rückschlüssen über die Ursprünge des menschenähnlichen Lernens und der kulturellen Weitergabe gezogen. Diese Experimente sind jedoch wahrscheinlich nicht repräsentativ für all die verschiedenen Szenarien, in denen Artefakte gefertigt wurden. Ein wichtiges aber wenig untersuchtes Szenario ist die Verwendung und Umarbeitung von Artefakten durch mehrere Individuen nacheinander. Wenn solche Reduktionssequenzen mehrerer Individuen als Ergebnisse diskrete Episoden von Einzelpersonen gelesen werden, untergräbt dies die Schlussfolgerungen zur individuellen Kognition aus archäologischem Material. Um bessere oder aussagekräftigere Rückschlüsse auf die evolutionäre Kognition ziehen zu können, müssen wir einen Schritt zurücktreten und versuchen, Einflüsse auf den Charakter von Artefakten und Inventaren zu unterscheiden, die auf Aktivitäten von Individuen oder Gruppen zurückgehen. Um die relative Sichtbarkeit einzelner Steinschläger - auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten - im archäologischen Befund zu bewerten, schlagen wir ein Forschungsprogramm vor, das Multi-Agent Knapping ExpeRimentS (MAKERS) und ein computergestütztes Modellierungsprotokoll umfasst, welches den taphonomischen Verlust von Artefakten berücksichtigt und die Vergleichbarkeit zwischen experimentellen und archäologischen Datensätzen verbessert. Diese werden mit der Entwicklung eines virtuellen Refit-Programms kombiniert, das die Zuverlässigkeit von Refit-Analysen verbessern und Verknüpfungen zwischen Artefakten ermöglichen soll, die durch physische Zusammensetzungen nicht wiederherstellbar sind. Die kombinierten Methoden dieses Antrages werden nicht nur dazu beitragen, bestehende epistemische Probleme im Feld zu überwinden und unsere Fähigkeit zu verbessern, im archäologischen Befund nach den Spuren von Verhaltensweisen von Individuen und Gruppen zu suchen, sondern sie werden auch neue Untersuchungsmethoden für Steinartefakte und deren Auswirkungen auf die individuelle Kognition eröffnen. Letztlich wird das Projekt neue Erkenntnisse über den Menschen und unsere Ursprünge liefern, wie sie die Artefakte unserer Vorfahren zeigen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
