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Die Medialität der lateinischen 'Geographie' des Ptolemaios. Handschriftliche Überlieferung zwischen Wissen und Nichtwissen

Antragstellerin Dr. Gerda Brunnlechner
Fachliche Zuordnung Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 580388887
 
Das Projekt fragt anhand eines scheinbar feststehenden Wissensbestands aus dem 15. Jh. nach den Faktoren, welche die Bewertung von Wissen beeinflussen konnten. Der Fokus liegt auf der Zeit unmittelbar bevor der Buchdruck die Erstellung von Büchern veränderte. Untersucht werden Prozesse der Wissensgenerierung am Beispiel des lateinischen Handschriften(Hss.)-Bestands der 'Geographie' des Ptolemaios. Im Zentrum steht die Tradition des aus der Antike stammenden, ursprünglich auf Griechisch verfassten Werks in Lateineuropa, insbesondere die Erstellung und die Rezeption der einzelnen Hss. mit vermeintlich immergleichen Inhalten. Meine ersten Analysen zeigen, dass die Hss. nach Aufbereitung und Nutzung der Texte und Koordinaten differieren, was bisher kaum beachtet wurde. Um Fragen der Wissensgenerierung in den Blick zu nehmen, werden die einzelnen Hss. als jeweils individuelle Produkte eines dynamischen Wechselspiels von Wissen und Nichtwissen verstanden. Als erstes Ziel soll ein umfassender Überblick über die erhaltenen lateinischen Hss. der ‘Geographie’ des Ptolemaios und der mit ihnen befassten Personen von der Übersetzung Anfang des 15. Jahrhunderts bis zum ersten Druck 1475 geschaffen und der Forschung über ein Repositorium, flankiert von Berichten in einem Blog, zur Verfügung gestellt werden. Zweites Ziel ist es einen Grundstock von Forschungsdaten zu gerieren, der es ermöglicht die sozialen und medialen Beziehungen netzwerkanalytisch zu beleuchten. Dazu werden relevante Kontextdaten der mit den Hss. befassten Personen recherchiert und erfasst. Zur wissenschaftlichen Tiefenerschließung der Hss. werden Daten aus der Literatur zusammengetragen, anhand der Quellen geprüft und ergänzt und die Hss.-Digitalisate auf die Materialität der Hss. hin analysiert. Die gewonnenen Daten werden in einer web-basierten Forschungsumgebung so visualisiert, dass räumliche, zeitliche, personelle und sachliche Zusammenhänge variabel abgefragt werden können. Damit wird die Forschung zur Rezeption der 'Geographie' um den Fokus auf die Vielfalt der Hss. und auf die Erstellungs- und Nutzungsprozesse erweitert. Das ermöglicht es, ein Spektrum von Akteuren in den Blick zu nehmen, das nicht anhand sozialer Sphären, sondern anhand hss.-bezogener Funktionen bestimmt wird, und über gelehrtes und technisches Wissen hinaus auch etwa soziales, philosophisches und praktisches Wissen einzubeziehen. Die Forschungsdaten sollen über das Repositorium und ein Bericht zum Auswertungsverlauf über das Blog veröffentlicht werden. Drittes Ziel ist es, mittels Netzwerkanalyse exemplarische wissensgeschichtliche Forschungsfragen unter historisch-mediologischer Perspektive zu entwickeln, um die Leistungsfähigkeit der gewonnenen Datenbasis und des Netzwerks aufzuzeigen. In einem Open Access Artikel, flankiert von einem Bogbeitrag, sollen die erarbeiteten Forschungsfragen präsentiert und die Möglichkeiten der weiteren Arbeit mit der Datenbasis ausgeleuchtet werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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