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Charakterisierung und Analyse des Tumor-Mikromilieus in primären und metastasierten Weichteilsarkomen.
Antragsteller
Dr. Adrian Georg Simon
Fachliche Zuordnung
Pathologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 580929857
Weichteilsarkome sind seltene, bösartige Tumoren des Binde- und Stützgewebes. Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt: Eine oft ausgedehnte Operation, teils in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie, ist meist die einzige Option. Nach wie vor entwickeln bis zu 40% der Patientinnen und Patienten trotz Therapie im weiteren Verlauf Fernmetastasen – mit meist sehr schlechter Prognose. Moderne Immuntherapien, die die Therapie anderer Krebserkrankungen revolutioniert haben, zeigen bei Sarkomen bisher jedoch kaum Wirkung. Ein Grund hierfür ist das Tumor-Mikromilieu - die zelluläre und molekulare Umgebung der Tumorzellen. Vorarbeiten der beteiligten Forschungsgruppen (C. Rolny, M. Ehnman, R. Ullrich) konnten zeigen, dass sogenannte tumorassoziierte Makrophagen (TAMs) im Tumor-Mikromilieu die Aktivität von B- und T-Lymphozyten hemmen – den Zellen, die für eine erfolgreiche Immuntherapie mitentscheidend sind. Außerdem beeinflussen TAMs gezielt die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor-Mikromilieu, lagern sich bevorzugt um diese abnormalen Gefäße an und fördern – wie bereits in anderen Tumoren gezeigt – die Entstehung von Metastasen. Ziel des Projekts ist es, das Tumor-Mikromilieu in primären Sarkomen und den dazugehörigen Fernmetastasen zu charakterisieren. Im Fokus stehen dabei die Präsenz und räumliche Anordnung von TAMs, ihre Wechselwirkung mit B- und T-Zellen sowie ihre Rolle bei der Metastasierung. Hierfür wird die Multiplex-Immunfluoreszenz eingesetzt, mit der Immunzellen und ihre räumliche Organisation in einer Kohorte von über 300 Sarkomen sichtbar gemacht werden. So können TAMs, ihre Anordnung um abnorme Blutgefäße und ihre Interaktionen mit B- und T-Lymphozyten räumlich analysiert werden. Ein von M. Ehnmans Laborgruppe neu entwickelter B-Index ermöglicht zudem die Darstellung verschiedener Reifungsstadien von B-Zellen, die mit den räumlichen Analysen korreliert werden (Manuskript in Vorbereitung). Ergänzend werden Marker untersucht, die mit einer Erschöpfung von T-Zellen verbunden sind. Die räumlichen Daten werden schließlich mit proteomischen Analysen kombiniert, um dysregulierte Signalwege im Tumorgewebe zu identifizieren. Ziel ist es, Muster zu erkennen, die zeigen, wann das Immunsystem besonders aktiv ist, wann Sarkome die Abwehr unterdrücken und welche Rolle TAMs dabei spielen. Diese Ergebnisse werden mit klinischen Überlebensdaten der Patientinnen und Patienten korreliert, um neue Biomarker zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs zu liefern und langfristig dabei zu helfen, Immuntherapien gezielter einzusetzen und zu verbessern. Das Projekt wird international in enger Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen von C. Rolny (Lund University, Schweden), M. Ehnman (Karolinska Institutet, Schweden) und R. Ullrich (Universitätsklinikum Köln, Deutschland) durchgeführt. Es soll neue Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Tumor und Immunsystem ermöglichen und die Grundlage für künftige, effektivere Therapien bei Weichteilsarkomen schaffen.
DFG-Verfahren
Stelle
