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Lehrpfade als multimodales „Wissen vor Ort“: Zur raumsemiotischen Konstruktion unterschiedlicher ‚Landschaften‘ und Mensch-Natur-Beziehungen im Nationalpark
Antragstellerin
Professorin Dr. Nina Janich
Fachliche Zuordnung
Angewandte Sprachwissenschaften, Computerlinguistik
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581164016
Lehrpfade, oft auch „Themenpfade“, „Erlebniswege“ o.Ä. genannt, finden sich im deutschsprachigen Raum in vielerlei Gestalt – und fast immer beziehen sie sich auf die sie umgebende Landschaft (Waldlehrpfade z.B. auf den Wald, Weinlehrpfade auf den Weinberg). Im vorliegenden Projekt werden Lehrpfade als multimodale Angebote der Wissensvermittlung „vor Ort“ begriffen, deren raum- bzw. geosemiotische Einbettung in die Landschaft relevant für die jeweiligen Wissensinhalte wie auch für die Art ihrer Vermittlung ist. Anhand der raumsemiotischen und multimodalen Analyse der 10 Lehrpfade im Raurisertal im Nationalpark Hohe Tauern, die in einem klar begrenzbaren Areal unterschiedliche Themen aufgreifen wie Alm- und Landwirtschaft des seit Jahrhunderten bewirtschafteten Tals, Flora und Fauna (z.B. Rückkehr von Adler und Geier in den Nationalpark), Gletschergeschichte oder historischer Goldabbau, verfolgt das Projekt drei Zielsetzungen: Zum Ersten sollen die durch die Lehrpfade entlang von Wanderwegen konstituierten Linguistic Landscapes und ihre komplexen Beziehungen zu Ort und Raum – Blommaert und Maly folgend – als historische, soziale und sozialsemiotische Konstruktion von ‚Landschaft‘ beschreibbar gemacht und damit ein neuer Typus von Linguistic Landscapes erschlossen werden, in dem sich ruraler und Naturraum mit „educational spaces“ treffen. Zum Zweiten sollen Lehrpfade als multimodale Wissensvermittlungsangebote „vor Ort“ in den Blick genommen werden, um zu prüfen, welches Landschaftswissen in einer alpinen Nationalparkgemeinde, die unter anderem touristische Interessen verfolgt, zugunsten einer Culture-Nature-Literacy als vermittlungswürdig betrachtet wird. Zum Dritten soll nachgewiesen werden, welche lokalen und/oder funktionalen Identitäten, Ideologien und Interessen sich in und durch die Lehrpfade niederschlagen, inwiefern das vermittelte Landschaftswissen und die dargestellten Mensch-Natur-Beziehungen also Auskunft geben über konvergierende bzw. divergierende Diskurspositionen von Akteuren in Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus im Landnutzungs-Diskurs. Das Projekt bewegt sich daher an der Schnittstelle zwischen Linguistic-Landscape-Forschung und Forschung zu multimodaler Wissensvermittlung und setzt methodisch raumlinguistische und diskurslinguistische (insbesondere framesemantische) Akzente. Die Wahl der österreichischen Nationalparkgemeinde Rauris begründet sich über die Vielfalt der dortigen (fotodokumentarisch 2025 bereits erfassten) Lehrpfade auf klar umgrenzbarem Raum, mit denen verschiedene Akteure ihre Sicht auf Landschaft und die sie gestaltenden, wie von ihr bedingten Praktiken darlegen, und dies in einem Schutzgebiet (Nationalpark Hohe Tauern), in dem landwirtschaftliche wie touristische Interessen mit Naturschutz und einem einschlägigen Bildungsauftrag konkurrieren.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
