Detailseite
Verarbeitung und Aufrechterhaltung von kanonischen (SO) vs. nicht-kanonischen (OS) Sätzen in L1 und L2 Deutsch
Antragstellerin
Professorin Dr. Denisa Bordag
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581504405
Nicht-kanonische Satzstrukturen im Deutschen (z.B. Die Krankenschwester hat der Chefarzt gefragt.) führen sowohl bei L1- als auch L2-Sprechern zu Verarbeitungsschwierigkeiten sowie systematischen Fehlinterpretationen, bedingt durch verschiedene (nicht-)sprachliche Einflussfaktoren. Anders als frühere Forschung, welche v. a. das Verständnis in Echtzeit fokussierte, wird in diesem Projekt auch ergründet, wie mentale Repräsentationen (nicht-)kanonischer Sätze mit der Zeit verblassen. Im Besonderen wird untersucht, wie die Kanonizität die Verarbeitung, Aufrechterhaltung oder den Zerfall verschiedener Informationsarten bei L1-Sprechern und zwei L2-Gruppen (L1 Tschechisch, Chinesisch/Vietnamesisch) beeinflusst, die sich in der Wortstellungsflexibilität und morphosyntaktischen Nähe zum Deutschen unterscheiden. Die zwei Studien des Projektes untersuchen: (1) Ursprünge und Persistenz von Fehlzuweisungen semantischer Rollen – d. h., ob sie im Zuge der Verarbeitung oder post-interpretativer Prozessen entstehen – und (2) die Auswirkungen morphosyntaktischer Hinweise wie Kasusmarkierung. Neben sprachlichen Manipulationen werden individuelle kognitive Unterschiede berücksichtigt, die möglicherweise die Verarbeitung und Aufrechterhaltung beeinflussen. Unter Einbezug von Maßen der Arbeitsgedächtiskapazität und -aktualisierung sowie der Interferenzkontrolle wird bestimmt, wie sich Schwierigkeiten bei nicht-kanonischen Wortfolgen, Fehlinterpretationseffekte und L1-L2-Unterschiede in Hinsicht auf Unterschiede kognitiver Ressourcen einordnen lassen. Methodologisch knüpft das Projekt an unsere frühere Forschung zur Aufrechterhaltung inhaltlicher Information und sprachlicher Oberflächeninformation beim Lesen in L1 und L2 an. Diese Forschungsrichtung wird mit Erkenntnissen von Studien integriert, die die Satzverarbeitung bei Inversionen von Agens und Patiens in kanonischen Subjekt-Objekt-Sätzen (SO) und nicht-kanonischen Objekt-Subjekt-Sätzen (OS) untersuchen. Auf diese Weise soll bestimmt werden, wie verschiedene Arten sprachlicher Information in (nicht-)kanonischen Strukturen verarbeitet werden (und aufrechterhalten werden bzw. verloren gehen). Insbesondere wird beleuchtet, inwiefern sich diese Prozesse vor dem Hintergrund von L1 und kognitiven Kapazitäten unterscheiden. Die Fragestellungen werden mittels eines in unseren früheren Studien erprobten Eyetracking-Paradigmas adressiert, das die implizite Untersuchung von Informationsverarbeitung und -aufrechterhaltung durch wiederholte Präsentation einzelner Sätze in Leseexperimenten ermöglicht. Das Projekt verfolgt einen Ansatz multifaktorieller Interaktion, der explizit Faktoren der L1- und Interlanguage-Satzverarbeitung berücksichtigt (Kanonizität, Rolle der Zuweisung semantischer Rollen versus Wortfolge, Ausprägung von Kasusmarkierung, L1-Einfluss und kognitive Beschränkungen) und somit das Zusammenwirken dieser Faktoren bzgl. der Sprachverarbeitung und -aufrechterhaltung in verschiedenen Erwerbskontexten fokussiert.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
