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Die Verschränkung von Kreuzzugspolitik und Konzilshermeneutik bei Johannes von Segovia am Beispiel seines Traktatsbriefes Replica magne continencie für den burgundischen Bischof Jean Germain von 1455
Antragsteller
Professor Dr. Ulli Roth; Professor Dr. Karlheinz Ruhstorfer
Fachliche Zuordnung
Katholische Theologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581563999
Der Konzilstheologe Johannes von Segovia (gest. 1458) erkannte ähnlich wie sein Gesprächspartner Nikolaus von Kues (gest. 1464) die Notwendigkeit einer adäquaten theologisch-intellektuellen und nicht militärischen Antwort auf den Islam, dessen Vormarsch seit dem Fall Konstantinopels 1453 in Westeuropa nicht mehr zu leugnen war. Gezielt versuchte er seine Ideen in den politische-religiösen Machtzentren Westeuropas zu platzieren. Dem dienten nämlich die Schriften an Kurienvertreter wie De gladio divini spiritus (1453) für Kardinal Juan Cervantes oder der Traktatbrief Epistula ad Nicolaum Cusanum (1454) samt Schriftencorpus für diesen deutschen Kardinal, Fürstbischof von Brixen und Papstlegaten für das Römische Reich Deutscher Nation. Dazu gehört auch die umfangreiche Replica magne continencie (1455), die er für das politische Zentrum der Kreuzzugsidee in Europa, nämlich den Burgunderhof in Gestalt des dortigen Ratgebers Jean Germain (gest. 1461), verfasste. Diesen Text nahm er auch in die Sammlung von Dokumenten auf, die er 1458 für den aussichtsreichsten zukünftigen Papstkandidaten und dann auch im selben Jahr noch gewählten Pius II. zusammenstellen ließ. An Segovia wird deutlich, wie sich das Europa des 15. Jahrhunderts im Übergang zur Neuzeit nicht nur nicht ohne Religion denken lässt oder sich selbst denkt, sondern gerade auch nicht ohne den Bezug zum Islam formiert, auch politisch. Das tritt besonders in der Replica hervor, die sich als Schlüsseldokument für diese politisch-theologischen Verflechtungen erweist. Neben historischen, politischen und biblisch-theologischen Argumenten spielen hier trinitätstheologische Spekulationen und konzilsgeschichtliche Verweise, getragen von verschiedensten Hinweisen auf reale oder mögliche Erfahrungen, eine sehr wichtige Rolle. Diese Verschränkung von Kreuzzugspolitik und Konzilshermeneutik in der Argumentationsstrategie soll mit Blick auf das inhaltliche Gesamtziel Segovias, europäische Entscheidungsträger zu einer Neubesinnung im Umgang mit den andersgläubigen Gegnern zu bewegen, herausgearbeitet werden. Die dabei gemachten Prämissen, die Adressatenabhängigkeit, aber auch die von Segovia immer wieder beschworene innere Logik seiner via pacis et doctrinae sollen vor der konkreten Folie der Kreuzzugsidee und Kreuzzugspolitik und -theologie des Adressaten Jean Germain erschlossen werden.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Italien
Kooperationspartner
Dr. Davide Scotto
