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Akkumulieren, entscheiden, anpassen: Ein computergestützter Einblick in exekutive Funktionen unter widrigen Lebensumständen

Antragsteller Dr. Stefan Vermeent
Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 584324277
 
Menschen, die in belastenden Lebensumgebungen aufwachsen - etwa in Armut oder Bedrohung - zeigen häufig eine geringere Leistung in Aufgaben des exekutiven Funktionsvermögens. Diese Unterschiede wurden traditionell als Defizite in spezifischen exekutiven Fähigkeiten (z. B. Inhibition, Aufmerksamkeitswechsel) interpretiert, was Forschende und Kliniker dazu veranlasst hat, Interventionen zu entwickeln, die auf das Training dieser isolierten Fähigkeiten abzielen. Neuere computational-modelling-Arbeiten stellen diese Sichtweise jedoch infrage. Stattdessen legen Diffusionsmodelle nahe, dass Belastungen vor allem mit einer aufgabenübergreifenden Evidenzakkumulation zusammenhängen - also der Geschwindigkeit und Effizienz, mit der Menschen Informationen über viele verschiedene exekutive Aufgaben hinweg verarbeiten. Wie dieser aufgabenübergreifende Prozess zu interpretieren ist, bleibt derzeit unklar. Einige Forschende argumentieren, dass er grundlegende Verarbeitungsgeschwindigkeit widerspiegelt und somit getrennt vom exekutiven Funktionsvermögen zu betrachten ist; andere sehen darin zielgerichtete, kontrollierte Verarbeitung und ordnen ihn daher dem exekutiven Funktionsvermögen zu. Infolgedessen ist bislang unklar, warum Menschen mit adversen Erfahrungen in Aufgaben des exekutiven Funktionsvermögens anders abschneiden, was die theoretische Interpretation und die Entwicklung wirksamer Interventionen erschwert. Mein Projekt verfolgt drei zentrale Ziele: Erstens werde ich verschiedene sequenzielle Entscheidungsmodelle (u.a. das Diffusionsmodell) einsetzen, um herauszufinden, welche Komponenten der Evidenzakkumulation mit adversen Erfahrungen zusammenhängen. Dies wird klären, warum Belastungen mit geringerer Aufgabenleistung verbunden sind und welche Mechanismen sich besonders gut als Ansatzpunkte für Interventionen eignen. Zweitens werde ich potenzielle Moderatoren der Evidenzakkumulation bei Menschen mit adversen Erfahrungen experimentell untersuchen, insbesondere die Valenz der Aufgabeninhalte sowie den Einfluss monetärer Belohnungen für kognitive Anstrengung. Dies wird nicht nur Wege aufzeigen, negative Auswirkungen von Adversität zu begrenzen, sondern könnte auch bestehende Stärken (d. h. kognitive Anpassungen) sichtbar machen, die genutzt werden können. Drittens werde ich Leitlinien für die Anwendung sequenzieller Entscheidungsmodelle auf entwicklungspsychologische Daten entwickeln, die häufig große Stichproben, aber nur wenige experimentelle Durchgänge pro Person umfassen. Dazu werde ich eine systematische Simulationsstudie durchführen, um die Bedingungen zu bestimmen, unter denen aufgabenübergreifende Modellparameter zuverlässig geschätzt werden können. Dies wird bestehende Best-Practice-Empfehlungen erweitern und eine verantwortungsvolle Nutzung dieser Modelle in der Entwicklungspsychologie ermöglichen.
DFG-Verfahren Stelle
 
 

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