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Narzissmus auf verschiedenen Persönlichkeitsfunktionsniveaus

Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 584727268
 
Die Beziehung zwischen grandiosen und vulnerablen Aspekten von Narzissmus ist in Forschung und Praxis umstritten. Prädiktoren narzisstischer Vulnerabilität zu identifizieren ist von großer Bedeutung, da diese mit einer Vielzahl psychischer Störungen, letztlich auch mit suizidalem Verhalten assoziiert ist. Während das DSM festhält, dass extreme Grandiosität mit Vulnerabilität einhergehen kann, aber nicht muss, zeigte unsere bisherige Forschung robuste Hinweise auf einen Anstieg der Vulnerabilität jenseits von +1,35 SD der Grandiosität, was sich in steigenden Korrelationen der entsprechenden Merkmale äußert. Dies deutet auf fluktuierende grandiose und vulnerable Zustände hin. Allerdings ist die Korrelation zwischen grandiosen und vulnerablen Aspekten selbst bei hoher Grandiosität nur gering bis moderat, weswegen es weitere Faktoren geben muss die bestimmen, ob Grandiosität im Einzelfall von Vulnerabilität begleitet wird oder nicht. Aufbauend auf selbstregulatorischen Modellen nehmen wir an, dass Unterschiede im Persönlichkeitsfunktionsniveau – grundlegende selbstregulatorische und interpersonelle Fähigkeiten – erklären können, warum einige Individuen hoch grandios, aber stabil sind, während andere vulnerabel sind. Varianz im Persönlichkeitsfunktionsniveau könnte nichtlineare Zusammenhänge zwischen grandiosem und vulnerablem Narzissmus sowie Übergänge zwischen grandiosen und vulnerablen Zuständen erklären. Im Arbeitspaket 1 entwickeln wir ein Trait-Vorhersagemodell für narzisstische Vulnerabilität auf Basis der Interaktion von Grandiosität und Persönlichkeitsfunktionsniveau. Wir erwarten stärkere Nichtlinearität zwischen Grandiosität und Vulnerabilität bei Personen mit niedrigerem Funktionsniveau. Untersucht werden die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Skalen, einschließlich ihrer selbstregulatorischen Dimensionen (agentischer, antagonistisch¬er und neurotischer Narzissmus), sowie Psychopathologie gemäß der Hierarchical Taxonomy of Psychopathology (HiTOP) in einer großen repräsentativen Stichprobe. Im Arbeitspaket 2 streben wir ein mechanistisches Verständnis dafür an, wie Veränderungen zwischen grandiosen und vulnerablen Zuständen situativ vom Persönlichkeitsfunktionsniveau abhängen. Eine Teilstichprobe wird über zwei Wochen ein Ecological Momentary Assessment durchführen. Zusätzlich werden Expert:inneninterviews geführt, um Einblick in individuelle psychosoziale Lebensrealitäten zu gewinnen. Die Studie ist innovativ, da sie erstmals empirische Evidenz für unterschiedliche Ausprägungen des Narzissmus auf verschiedenen Ebenen des Persönlichkeitsfunktionsniveaus liefern könnte. Diese wurden aus klinischer Sicht beschrieben, jedoch bislang nicht systematisch untersucht. Die Ergebnisse sollen ein quantitatives Modell zur Vorhersage narzisstischer Vulnerabilität bereitstellen und unser Verständnis situativer Zustandswechsel vertiefen, was eine gezieltere Intervention ermöglicht.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Polen, Schweiz
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner Professorin Dr. Carolyn Morf; Professor Dr. Radoslaw Rogoza
 
 

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