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Die Rolle der Körperkonstitution abgeleitet von Computertomographien zur Verbesserung der Chemotherapiedosierung, Toxizitätsabschätzung und des Behandlungsmonitoring bei Patienten mit Magen-Darm- und Bauchspeicheseldrüsenkrebs: eine Proof-of-Concept-Studie

Fachliche Zuordnung Radiologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 584977163
 
Systemische Therapien wie die Chemotherapie sind ein zentraler Bestandteil der Krebsbehandlung, verursachen jedoch häufig schwerwiegende Nebenwirkungen. Diese Toxizitäten können zu Dosisreduktionen oder zum Abbruch einer eigentlich wirksamen Therapie führen. Derzeit werden Chemotherapiedosen meist anhand der Körperoberfläche (Body Surface Area, BSA) berechnet, die sich ausschließlich aus Körpergröße und Gewicht ergibt. Dieses Verfahren spiegelt jedoch nicht zuverlässig wider, wie einzelne Patientinnen und Patienten Medikamente verstoffwechseln und vertragen. Dadurch besteht das Risiko einer Über- oder Unterdosierung. Aktuelle Studien zeigen, dass die Körperzusammensetzung, insbesondere die Muskelmasse sowie verschiedene Fettgewebe-Kompartimente, besser geeignet ist, um Krebstherapien zu individualisieren. Vor allem eine geringe Skelettmuskelmasse ist mit einer erhöhten Chemotherapie-Toxizität, häufigeren Dosisanpassungen und einer schlechteren Prognose verbunden. Die Körperoberfläche korreliert dabei nur schwach mit der Muskelmasse, sodass Patientinnen und Patienten mit gleicher BSA eine sehr unterschiedliche Körperzusammensetzung aufweisen können. Der Einfluss weiterer Kompartimente, wie viszerales und subkutanes Fettgewebe, auf die Verteilung und den Abbau von Chemotherapeutika ist bislang nur unzureichend untersucht. Obwohl sich die Körperzusammensetzung auf nahezu allen routinemäßig durchgeführten CT- oder MRT-Untersuchungen des Bauchraums bestimmen lässt, wird diese Information im klinischen Alltag kaum genutzt. Gründe dafür sind der hohe Zeitaufwand und technische Einschränkungen. Dadurch bleibt wertvolle prognostische und prädiktive Information ungenutzt. Neue Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz ermöglichen inzwischen eine automatisierte, schnelle und kosteneffiziente Analyse der Körperzusammensetzung aus routinemäßigen Bildgebungsdaten. Diese Methoden lassen sich potenziell nahtlos in bestehende klinische Arbeitsabläufe integrieren. Ziel dieses Projekts ist es, eine zentrale Lücke in der personalisierten Chemotherapiedosierung zu schließen. Mithilfe innovativer KI-Methoden soll die Körperzusammensetzung automatisch aus Routinebildgebung quantifiziert und ihr Wert zur Vorhersage von Chemotherapie-assoziierter Toxizität untersucht werden. Durch die Analyse des Zusammenhangs zwischen Körperzusammensetzung, Nebenwirkungen, Dosisanpassungen und Überleben soll eine präzisere und individuellere Alternative zur bisherigen BSA-basierten Dosierung entwickelt werden, um die Verträglichkeit der Therapie und die Behandlungsergebnisse für Patientinnen und Patienten zu verbessern.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich Dr. Marco Reisert
 
 

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