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Neuere Geschichte

Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung von 2008 bis 2017
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 85194202
 
Erstellungsjahr 2020

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Rahmen der Förderung konnten in zwei Themenfeldern wissenschaftliche Fortschritte erzielt werden. Zum Einen konnte das Instrumentarium einer explizit an historiographischen Anforderungen ausgerichteten Historischen Bildforschung erweitert werden. Die entwickelte Methodik fußt auf der historisch-kritischen Methode wie auf der seit den 1980er Jahren vielfältig diskutierten ikonographischikonologischen Methode. Beide sind in der „historiographischen Bildanalyse“ um mediale Aspekte erweitert und es wird Wert auf die kommunikativen Funktionen von Bildern gelegt. Hierbei können historisch zeitspezifische Lektüren von Bildern ermittelt werden, was anachronistische Interpretationen von Bildern ebenso vermeiden hilft, wie auch Annäherungen an vergleichsweise kontextarme Bilder erlaubt. Beispiele für Letztere sind etwa Bilder in Nachrichtenmedien (darunter Pressefotografien), die seit dem Aufstieg der illustrierten Presse seit Ende des 19. Jahrhunderts für die massenmediale Kommunikation immer wichtiger wurden. Die methodischen Überlegungen können die Integration visueller Quellen in allen historiographischen Untersuchungen gleich welcher Epoche und gleich welchen Themas erleichtern. Zum Zweiten ist eine These entwickelt worden, die das Phänomen „Heimat“ als ein allgemeines Phänomen in Modernisierungsprozessen zur Diskussion stellt. Hierbei ging es vor allem darum, lokale Identifikationsprozesse als Bestandteil von Nationalisierung unter den Bedingungen einer besonders intensiven Globalisierungswelle (ab den 1870er Jahren) zu begreifen. Am deutschen Beispiel konnte gezeigt werden, dass das Interesse an „Heimat“ nicht zufällig mit den beiden oben erwähnten Prozessen zusammenhing. Die bisherige Forschung hat einerseits zu sehr die deutsche Entwicklung als besonders hervorgehoben und hierbei zudem vor allem die konservativen bis chauvinistischen Zweige der „Heimatbewegung“ beachtet. Es besteht Forschungsbedarf für alternative Heimatkonzepte – etwa auf der politischen Linken, oder unter geschlechterhistorischern Aspekten. Ebenso sind mediale Vermittlungsformen von Heimat, wie etwa einer Heimatikonographie, stärker in der Forschung zu berücksichtigen. Wird ein kulturanthropologisch fundierter „Heimatbegriff“ zugrunde gelegt, offenbart sich ferner, dass solche Bewegungen bzw. Diskurse keinesfalls auf den deutschen Sprachraum zu beschränken sind, sondern möglicherweise in allen Gesellschaften, die gleiche bzw. ähnliche Transformationsprozesse (Nationsbildung und Globalisierung) durchlaufen. „Heimat“, „local identity“ oder wie auch immer das zu bezeichnen wäre, wäre mithin etwas, das grundsätzlich der Positionierung des Individuums in der Welt dient und Gemeinschaften stabilisiert solange „Heimat“ nicht allein zu einer Chiffre für einen (aggressiven) Nationalismus wird.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Bilder und „Historische Wahrheit“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 67 (2017), H. 13, S. 34-39
    Jens Jäger
  • Heimat, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 09.11.2017
    Jens Jäger
  • Überlegungen zu einer historiografischen Bildanalyse. Historische Zeitschrift, 304(3).
    Jäger, Jens
  • A Fist on the Cover. Some Remarks on Visual Sources in Sports History, in: Historical Social Research 43 (2018) H. 2, S. 39-52
    Jens Jäger
  • Heimat (English version), Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 13.08.2018
    Jens Jäger
 
 

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