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EXC 2176:  Schriftartefakte verstehen: Material, Interaktion und Transmission

Fachliche Zuordnung Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft
Geschichtswissenschaften
Informatik
Kunst-, Musik-, Theater- und Medienwissenschaften
Physik der kondensierten Materie
Förderung Förderung seit 2019
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 390893796
 
Das Exzellenzcluster „Understanding Written Artefacts“ (UWA) erforscht eine der einflussreichsten Technologien der Menschheitsgeschichte: das Schreiben. Die bisherige Forschung hat sich primär mit den erkenntnistheoretischen Implikationen des Schreibens befasst. UWA verfolgt einen differenzierteren Ansatz und entwickelt ein neues Paradigma mit neuem analytischen Rahmen, zusammengefasst im Begriff des „Schriftartefakts“, als „jedes künstliche oder natürliche Objekt mit von Menschen versehenen visuellen Zeichen“ (Bausi et al. 2023). Mesopotamische Tontafeln aus dem 19. Jhd. v. Chr. gehören somit ebenso zum Forschungsgegenstand des Clusters wie chinesische Goldplatten aus dem 16. Jhd. und zeitgenössische urbane Graffiti. Eine derart umfassende Leseart des Schrifterbes ermöglicht es, die materiellen Dimensionen von Schriftartefakten in Verbindung mit inhaltsbezogenen Aspekten neu zu denken, um besser zu verstehen, wie Gesellschaften weltweit das Schreiben geprägt haben und wie das Schreiben umgekehrt unsere Geschichte geprägt hat. Das Cluster hat in seiner ersten Förderphase eine interdisziplinäre Gemeinschaft von fast 140 Forschenden aus über 40 Disziplinen aufgebaut und ein internationales, stark über Bottom-up-Forschung geprägtes Profil entwickelt. Dabei hat das Cluster Arbeitsroutinen über lange bestehende akademische Grenzen hinweg etabliert, die Forschungsfelder bisher regional, chronologisch und disziplinär trennten. UWA II wird die konsequente Verbindung von materieller und inhaltlicher Analyse beibehalten, aber die empirische Grundlagenarbeit sowie die Struktur des Programms neu ausrichten. Dabei wird sich das Cluster auf neun Ziele konzentrieren, die eine dynamische und relationale Sicht auf Schriftartefakte in den Vordergrund stellen. Im Hinblick auf globale Perspektiven werden wir den Ansatz der „verflochtenen Geschichten des Schreibens“ etablieren und, mit einem starken Fokus auf deren Provenienz, untersuchen, wie Produktions- und Nutzungsprozesse von Schriftartefakten miteinander verbunden sind. Um unserem Anspruch, bestehende Medientypologien zu überwinden, gerecht zu werden, werden wir unser Konzept des Schriftartefakts auf globale Technologien mechanischer Reproduktion von Geschriebenem übertragen und die traditionelle Dichotomie zwischen handschriftlichen und gedruckten Artefakten in Frage stellen. Concepts & Methods Units werden Fragen zu den epistemologischen und ethischen Dimensionen der Forschungspraxis in den Vordergrund stellen. UWAs Laborsystem wird das Repertoire an Materialanalysen und KI-gesteuerten Ansätzen erweitern, um neue empirische Erkenntnisse zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Datenanalyse zu entwickeln. Zur vollen Nutzung der disziplinen- und kulturübergreifenden Möglichkeiten, die sich aus dieser neu kalibrierten Forschungsagenda ergeben, werden wir das Format der Project Groups einführen, die unser Paradigma und unseren Forschungsansatz exemplarisch auf größere regionale und chronologische Kontexte anwenden.
DFG-Verfahren Exzellenzcluster (ExStra)
Antragstellende Institution Universität Hamburg
 
 

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