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Grenzbedingungen für die Wirkungen verführerischer Details in Lehr-Lernsituationen: Eine integrative Analyse kognitiver und volitionaler Prozesse.

Fachliche Zuordnung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
Allgemeines und fachbezogenes Lehren und Lernen
Förderung Förderung von 2017 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 395562182
 
Als Lehrperson stellt man sich häufig die Frage, wie man die Vermittlung von Lernstoff interessant und abwechslungsreich gestalten kann. Entsprechend ist eine übliche Maßnahme, den Lernstoff mit interessanten aber irrelevanten Details wie Fun-Facts, Anekdoten oder Comics anzureichern. Basierend auf der bisherigen Forschung im Bereich des multimedialen Lernens sollte auf solche Maßnahmen jedoch generell verzichtet werden: Interessante aber irrelevante Details werden als verführerische Details bezeichnet. Sie gelten als lernhinderlich, weil sie Lernende dazu verführen, die Aufmerksamkeit vom relevanten Lernstoff abzulenken, so dass zentrale kognitive Prozesse wie die Selektion, Organisation und Integration relevanter Lerninhalte behindert werden (z.B. Harp & Mayer, 1998). Der Frage, ob diese Befunde generalisierbar oder vielmehr ein Resultat aus der spezifischen Untersuchungssituation in der bisherigen Forschung sind, wird im vorliegenden Projekt nachgegangen. Hierfür wird erstens untersucht, inwiefern negative Effekte durch verführerische Details nur dann auftreten, wenn Lernende wie in bisheriger Forschung nicht über die Irrelevanz der verführerischen Details aufgeklärt sind. Zweitens wird untersucht, unter welchen Umständen sich sogar positive Effekte durch verführerische Details zeigen können, indem erstmals Theorien zur volitionalen Handlungssteuerung (Modell der Opportunitätskosten; Kurzban, Duckworth, Kable, & Myers, 2013) für die Ableitung der Hypothesen herangezogen werden. Laut diesen haben verführerische Details das Potenzial, sich über die Erhöhung von positivem Affekt positiv auf die Persistenz in Lernsituationen auszuwirken, und zwar besonders dann, wenn Lernende aufgrund hoher Ermüdung und/oder geringer externer Kontrolle dazu tendieren, die Lernsituation frühzeitig zu verlassen. Um die Hypothesen zu prüfen, wird das übliche Vorgehen zur Untersuchung der Wirkungen verführerischer Details erweitert, indem es einerseits mit einem klassischen Vorgehen aus der Volitionsforschung kombiniert wird und andererseits kontext- (Lernen im Labor vs. mediengestütztes Lernen vs. schulischer Unterricht) und stichprobenübergreifend (Studierende vs. Schülerinnen und Schüler) angelegt ist. Der Kontextwechsel dient dabei einerseits der Variation der externen Kontrolle beim Lernen und soll andererseits Hinweise auf die Kontext(un)abhängigkeit der Befunde hinsichtlich der Wirkungen verführerische Details geben. Insgesamt ist Ziel des Projekts, sowohl die zugrundeliegenden Prozesse der Effekte verführerischer Details besser zu verstehen als auch einen Beitrag dafür zu leisten, zukünftig differenziertere Empfehlungen hinsichtlich der Verwendung verführerischer Details in Lehr-Lernsituationen ableiten zu können.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Mitverantwortlich Professor Dr. Alexander Renkl
 
 

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