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Ein Brückenschlag zwischen sozialer und spatialer Kognition: Die Rolle des Körpers für die Perspektivenübernahme

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2017 bis 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 397465598
 
Dieses Forschungsprojekt vereint die getrennten Forschungsbereiche der sozialen und visuo-spatialen Perspektivenübernahmeforschung. Es identifiziert Berührungspunkte dieser beiden Bereiche und führt ihre bisherigen Erkenntnisse auf eine innovative Art und Weise zusammen.Sozialpsychologen befassen sich mit sozialer Perspektivenübernahme, also der Fähigkeit, sich vorzustellen, wie eine andere Person denkt oder fühlt. Es konnte gezeigt werden, dass Instruktionen zur sozialen Perspektivenübernahme zu positiven interpersonalen Effekten führen; beispielsweise dazu, dass Probanden dem Ziel der Perspektivenübernahme helfen wollen, ihm gegenüber positivere Einstellungen berichten oder sich ihm ähnlicher fühlen. Jedoch blieb in diesen Studien der genaue psychologische Mechanismus unklar, der diese Effekte erzeugt.Kognitionspsychologen befassen sich hauptsächlich mit visuo-spatialer Perspektivenübernahme, also der Fähigkeit, sich vorzustellen, wie eine andere Person die Welt sieht. Es konnte gezeigt werden, dass diese Art der Perspektivenübernahme ein verkörperter Prozess ist. "Verkörpert" bedeutet hier im Sinne des "Embodiment" Ansatzes, dass der Körper eine wichtige Simulationsgrundlage höherer mentaler Prozesse ist. Bei visuo-spatialer Perspektivenübernahme simuliert der Perspektivenübernehmende mental eine Rotation des eigenen Körpers in die Position des Ziels. Zwar wurde dieser Mechanismus genauestens erörtert, jedoch weiß man noch nicht, ob diese verkörperte Transformation des Selbst auch sozial-kognitive oder affektive Konsequenzen hat.Der vorliegende Antrag verbindet diese beiden Forschungsbereiche unter Rückgriff auf den Embodiment Ansatz: Es wird angenommen, dass die Transformation des Körperschemas in die Position einer anderen Person ein geteilter kausaler Mechanismus aller Arten der Perspektivenübernahme ist, der auch die bekannten Effekte von Perspektivenübernahme aus der sozialen Kognitionsforschung verursacht. Die physikalische Nähe zum Ziel der Perspektivenübernahme, die bei der Transformation des Körperschemas simuliert wird, ist die modale Grundlage der psychologischen Nähe, die in Studien zu sozialer Perspektivenübernahme berichtet wird.Spezifisch wird untersucht, ob sich Induktionen von visuo-spatialer Perspektivenübernahme (und somit physikalischer Nähe) auf Indikatoren sozialer Perspektivenübernahme auswirken. Umgekehrt wird die Frage gestellt, ob sich Induktionen psychologischer Distanz auf den Mechanismus der verkörperten Transformation auswirken; also ob Probanden Schwierigkeiten haben, die visuelle Perspektive einer beispielsweise unsympathischen Person zu übernehmen. Schließlich wird untersucht, ob klinische Populationen, die Defizite in sozialer Perspektivenübernahme aufweisen (z.B. Depressive und Narzissten), ebenfalls Defizite in visuo-spatialer Perspektivenübernahme besitzen und ob die Fähigkeit zu sozialer Perspektivenübernahme und Empathie durch ein visuo-spatiales Perspektivenübernahme Training verbessert werden kann.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Niederlande
Kooperationspartnerin Professorin Carina Remmers, Ph.D.
 
 

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