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Erwartungen erschaffen

Fachliche Zuordnung Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Förderung Förderung von 2019 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 415983633
 
Das Verhalten von Menschen wird von ihren Erwartungen über die Zukunft bestimmt. Ermöglicht dieser Mechanismus Regierungen zusätzlichen Spielraum eine Volkswirtschaft zu gestalten, indem gezielt Erwartungen beeinflusst werden? Können durch ein geschicktes Steuern der öffentlichen Wahrnehmung Wirtschaftswachstum und Beschäftigung erhöht werden, ohne deutlich höhere Staatsausgaben tätigen zu müssen? Dies untersuchen wir im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsaufschwung unter den Nationalsozialisten ab 1933. Für dessen Gründe existiert bislang keine endgültige wissenschaftliche Erklärungen. Wir wollen analysieren, ob unter Berücksichtigung von Erwartungsbildung die Rolle von Fiskalpolitik als treibende Kraft der positiven Wirtschaftsentwicklung neu bewertet werden muss.Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Fiskalpolitik bereits ab dem Moment Wirkung zeigt, zu dem sie bekannt wird - also unter Umständen deutlich früher, als sie tatsächlich in Kraft tritt. Unsere zentrale Hypothese lautet deswegen, dass die intensive Propaganda der Nationalsozialisten bezüglich ihrer Wirtschaftsprogramme deren Effekte vergrößerte und sie so eine stärkere Wirkung entfalteten. Ein möglicher Wirkungskanal ist, das die Diktatur anfangs ihre Legitimität eng mit den Erfolgen ihrer Wirtschaftsprogramme wie z.Bsp. dem Bau von Autobahnen verknüpfte. Dies schürte in der Bevölkerung die Erwartung weiterer Staatsausgaben. Im Falle nicht vollständiger Information ist es außerdem möglich durch Propaganda die Ausgabenprogramme größer erscheinen zu lassen, als sie womöglich waren, bzw. eine größere Öffentlichkeit mit den Programmen bekannt zu machen, um deren Wirkung zu erhöhen. Unser Projekt umfasst drei Teile. Ziel des ersten Teils ist es, einen neuen historischen Datensatz zu Staatsausgaben und der damit verbundenen Propaganda zusammenzustellen. Um die Propaganda quantifizieren zu können, digitalisieren und verarbeiten wir eine Reihe von Artikeln aus deutschen Zeitungen sowie transkribierte Radiosendungen. Mithilfe quantitativer Textanalysetechniken generieren wir aus diesen Quellen Zeitreihen die den Einsatz und die Intensität von Propaganda abbilden. Im zweiten Teilprojekt nutzen wir diese empirischen Daten um zu untersuchen, inwiefern Propaganda die Wirkung von Staatsausgaben in einem Zeitreihenmodell beeinflusst. Im dritten Projekt analysieren wir die Wirkung von Staatsausgaben auf regionaler Ebene unter Berücksichtigung von Propaganda. Insbesondere vergleichen wir ihre Effekte unter geringer und starker fiskalpolitischer Indoktrinierung der Öffentlichkeit. So lässt sich der Einfluss dieser Propaganda auf den Multiplikator bestimmen und ihre Rolle im Zusammenhang mit dem deutschen Aufschwung nach der Großen Depression bewerten.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
 
 

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